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XANGÔ

ALLGEMEINE BESCHREIBUNG

Xangô, Shango, Sango oder – in Bahia – Badé ist der Orixá der Gerechtigkeit, der Blitze, des Donners und des Feuers. Er war der König der Stadt, manifestiert im Orakel von Ifá u.a. durch die Odus Obará und Ejilaxebora, im Candomblé körperlich und immateriell dargestellt durch den als Igba Xangô bezeichneten heiligen Schrein.

Xangô (Sàngó) ist der Orixá mit den zwei Aspekten: dem göttlichen/mythischen und dem historischen. Seine göttliche Linie geht direkt auf Oduduwa zurück. Historisch gilt er als Sohn von Oranyan und Torossi, einer schönen Tochter des Königs Elempé des Volkes von Nupe. Sein Vater gründete die Stadt Oyó und hinterließ das Reich seinem ältesten Sohn, Dadá Ajaká. Später wurde Xangô zum göttlichen Herrscher dieser Stadt und wurde der dritte König der Dynastie von Oyó. Nach einiger Zeit kehrte Dadá auf den Thron zurück und kurz danach folgte ihm Aganju, der fünfte Alafim von Oyó. Die mythische Mutter Xangôs ist die Iyabá Iamassê Malê, eine Gottheit im Pantheon der Yemanjá; sein mythischer Vater ist Oranyan. In der Nation Fon heißt der Vodun, der Xangô am meisten ähnelt, Badé oder Sobô. Unter den Bantu kommt der Nkisi Nzaze-Loango den Eigenschaften dieses Orixá am nächsten.

Der Legende nach floh er in den Wald, nachdem ihn seine Feinde besiegt hatten. Dabei begleitete ihn seine treue Gemahlin Iansã, die sich dann auch gemeinsam mit ihm erhängte. Sein Körper verschwand in einem großen Loch unter der Erde, aus dem dann eine Eisenkette hervortrat – die Kette der menschlichen Generationen. Und er wurde zu einem Orixá. In seiner göttlichen Dimension ist er der Sohn von Oxalá und Yemanjá.

Xangô hatte drei Göttinnen zur Frau: Oyá, Oxum und Obá. Mit ihnen teilt er jeweils das Feuer, die Liebe, die Wahrheit. Zu Yemanjá hat Xangô eine wichtige Mutter-Sohn-Beziehung. Dieser Göttin bringt er alle Ehrfurcht entgegen. Sogar seinen Igbá lässt er neben dem ihren aufstellen.

Auch bei seinen Festen, vor allem der Roda de Xangô, ist Yemanjá eine illustre Teilnehmerin, die eingeladen wird, mit ihm zu tanzen; sie wird dann sehr von ihrem Sohn unterstützt und verwöhnt. Diese Verbindung ist so eng und stark, dass sie sich auf die Menschen überträgt. Aus ihrem großen Respekt vor der mächtigen Mutter Yemanjá nennen die Kinder Xangôs die Yemanjá geweihten Kinder ihre „Mütter“. Über Yemanjá wird Xangô zum Halbbruder Obaluaiês (Omolu).

Xangô ist der Orixá des Blitzes, des Donners, der hohen elektrischen Ladungen und des Feuers. Er ist männlich und verwegen, gewalttätig und gerecht. Er bestraft die Lügner, Diebe und Übeltäter. Deshalb gilt der Tod durch Blitz auch als ein Urteil. Ebenso gilt ein Haus, das vom Blitz getroffen wird, als vom Zorn Xangôs gezeichnet. Xangôs Axé – seine Macht – ist im Allgemeinen in den Steinen konzentriert, aber insbesondere in denen, die durch die vom Blitz verursachte Zerstörung entstehen, wobei der Meteorit sein höchstes Axé ist.

Er schuf den Egungun-Kult, denn er ist der einzige Orixá, der Macht über die Toten ausübt. Xangô ist die Kleidung des Todes. Deshalb darf bei den Geheimbünden, den Egbo, von Iku (Tod) und der Egun (Ahnen) die ihm zugeordnete Farbe Rot nicht fehlen. Wenn er sich beim Candomblé zeigt, darf in seiner Kleidung eine Art Buriti-Frucht in verschiedenen kräftigen Farben als Repräsentation der Kleidung der Egun nicht fehlen.

Xangô ist der Orixá, der die Hitze repräsentiert, das Feuer, der das Leben erhält. Das macht ihn auch zu einer erotischen Gottheit, sinnlich und attraktiv und mit majestätischer Haltung, eine Gottheit, die berauscht und bezaubert. Wegen seiner Verbindung mit diesem Element heißt er auch Obá Ina – König des Feuers – und wird dargestellt durch die Farbe Rot, das Symbol für die Bewegung und das Blut. Durch das Feuer nähert er sich Exu an, ebenfalls ein Orixá der Hitze, des Wagemuts und der Manneskraft. Er hat sogar einige seiner Charakterzüge, ist aber ruhiger, zurückhaltender und ausgeglichener als Exu.

Xangô ist der Orixá der Macht, er ist die höchste Manifestation der Macht Olorums. Er steht für die Rechtsprechung des universellen Gesetzes. Er ist der Herr der Gerechtigkeit und aller Gesetze, ganz gleich ob religiöser, juristischer oder sogar moralischer Natur. Er ist Richter, Verteidiger und sogar Staatsanwalt in einer Person, er straft nicht nur, er spricht auch frei. Er akzeptiert keine Ungerechtigkeit oder Boshaftigkeit und ist sehr streng, aufbrausend und energisch, selbst bei den eigenen Kindern. Er will, dass man ihn achtet und ihm gehorcht, insbesondere hinsichtlich seiner Verbote: was ihm nicht gefällt, dürfen auch seine Kinder nicht essen oder tun. Im Gegensatz dazu ist er aber seinen Kindern auch ein wirklicher Freund, ebenso wie deren Freunden, denn er mag die Menschen trotz ihrer Fehler sehr. Wenn es nach Xangô ginge, gäbe es den Tod – Iku – nicht, und wenn er könnte, gäbe er den Menschen ewiges Leben. Das ist der Grund, warum ihn die Menschen so verehren; stets bitten sie ihn, den Tod von ihnen fern zu halten. Unter seinen Anhängern ist es üblich, Xangô in ihr Haus zu „rufen“ und ihn zu bitten, Leben und Gesundheit mitzubringen. Seine Eingeweihten schlafen, wenn sie schwer krank sind, mit der Erlaubnis des Orixá und des Priesters, immer mit seinem Ocutá (Stein) unter dem Kopfkissen, um ihnen zu helfen, Krankheiten und selbst den Tod von sich fernzuhalten. Selbst die Kinder des Voduns Badé oder des Nkisi Nzaze-Loango machen das. Xangô wird von den Yorubá dermaßen verehrt, dass sie selbst bei der Axexê (der Totenfeier) seine Halskette als Schutz tragen.

Xangô und die Macht

Xangô erhebt nicht den Anspruch darauf, der Patriarch unter den Orixá zu sein (eine Rolle die eher Oxalá zugeordnet wird), aber es gibt doch Parallelen zwischen ihm und Zeus, dem Göttervater der griechischen Mythologie. Das Symbol des Axé Xangôs ist eine Art stilisierte Doppelaxt, der Oxé, der die Macht Xangôs repräsentiert und in zwei entgegengesetzte Richtungen schneidet. Der Verwalter der Gerechtigkeit könnte nie einfach nur die eine Seite sehen und immer nur die Interessen eines Standpunktes vertreten. In einem Streit kann sich seine Macht gegen jeden der Beteiligten wenden; das ist das Markenzeichen der Unabhängigkeit und Ganzheitlichkeit seiner Gerechtigkeit. Nach Pierre Verger ähnelt dieses Symbol sehr dem Symbol des Zeus, das man in Kreta gefunden hat. Genau wie Zeus ist er ein Gott, der mit der Macht und Gerechtigkeit in Verbindung gebracht wird, und der die Macht über Blitz und Donner hat; und in den Legenden über ihn zeigt sich sein intensives Liebesleben.

Xangô erschafft die Macht der Politik. Er ist von Natur aus ein Monarch und wird als Obá bezeichnet, was so viel heißt wie König. Im täglichen Leben finden wir Xangô in Foren, Delegationen, Ministerien, Gewerkschaftsführungen, Verbänden, politischen Bewegungen, Kampagnen und politischen Parteien und in den Regierungen allgemein, kurz, überall da, wo das menschliche Zusammenleben organisiert wird.

Xangô ist die Ideologie, die Entschlossenheit, der Wille, die Initiative. Er ist die Strenge, die Organisation, die Arbeit, die Diskussion um die Verbesserung, der soziale und kulturelle Fortschritt, die Stimme des Volkes, der Aufstand, der Wille zum Sieg. Aber er ist auch der Sinn für das Königliche, die kaiserliche Haltung, die Monarchie. Er ist das Edle im Menschen, das sogenannte „blaue Blut“, die Führungspersönlichkeit. Für Xangô steht die Gerechtigkeit über allem und ohne sie ist keine Eroberung der Mühe wert; der Respekt vor dem König ist wichtiger als die Furcht.

Macht ist sein Wesen. Xangô wird in der Macht geboren und stirbt im Namen der Macht. Er war ein absoluter König, stark, unschlagbar. Die Macht ist Xangôs Vergnügen. Xangô befehligt die Mächtigen, sein Reich und die benachbarten Königreiche. Xangô ist der König der Könige. Unter den Orixás gibt es keine Hierarchie, keiner hat mehr Axé als der andere; nur Oxalá, der Patriarch der Religion und älteste Orixá hat eine gewisse Vorrangstellung. Müsste man jedoch einen allmächtigen Orixá wählen, wer sonst als Xangô käme in Frage?

Alles im Zusammenhang mit Xangô ist königlich: seine Kleidung, sein Reichtum, sein Umgang mit der Macht. Die Farbe Rot etwa war schon immer die Farbe des Adels. Nur die großen Könige schritten über rote Teppiche und Xangô schreitet über das Feuer, das Ur-Rot, seinen Teppich.

Xangô und die Liebe

Xangô neigt zu Sinnlichkeit und Vergnügungssucht. Viele Legenden und Gesänge zeichnen ihn als eitle Figur mit einem intensiven Liebesleben. Er hatte drei Frauen: Obá, die älteste und am wenigsten geliebte; Oxum, die mit Oxossi verheiratet war und in die sich Xangô verliebte und die er dazu brachte, Oxossi zu verlassen; und Iansã, die mit Ogum zusammenlebte und die Xangô entführte.

Mit Obá verbinden ihn die Wahrheit und der Kampf. Mit Oxum verbindet ihn die Leidenschaft. Oyá ist seine Partnerin im Krieg und im Gewitter. Oyá ist die Herrin der Blitze, Stürme und Winde. Xangô ist der Orixá, der von der Natur selbst beleuchtet wird, verantwortlich für den Donner, der den Himmel zerreißt. Xangô brüllt und donnert über den Himmel, Oyá leuchtet und bewegt und vertreibt die Dunkelheit.

Mithilfe der Winde schickt Oya die energiegeladenen Wolken zu Xangô, damit er all seinen Zorn ausleben und seine Blitze auf die Erde senden kann, um den Menschen seine Macht zu zeigen. Dieses Aufeinandertreffen unterschiedlicher Energien bringt mit dem Einschlagen des Blitzes auf der Erde meist weißglühende Steine hervor, die als edun ará, als „lebender Stein des Blitzes“ bezeichnet werden. Dieser Stein ist seine Verbindung zum Magma, dem Feuer aus der Mitte der Erde. In diesem Augenblick tut er sich auch mit Iewá, der Göttin der Wasserquellen, zusammen; zu den Wasserquellen gehören auch die Thermalquellen, die dem Inneren der Erde entspringen, und die Geysire – kochendes Wasser, das mit Macht aus der Erde schießt.

Xangô und der Tod

Xangô hat ein gespaltenes Verhältnis zum Tod, denn er symbolisiert das Leben. Während Nanã die Orixá ist, die sich am besten mit den Geistern der Toten, den Egun, versteht und sie beherrscht, gibt es keinen, der sie mehr verabscheut und fürchtet als Xangô. Manche behaupten, dass Xangô seine Kinder verlässt, wenn sich ihnen der Tod nähert, und dass er sich aus ihrem Kopf und ihrer Essenz zurückzieht und den Kopf seiner Kinder schon sieben Monate vor ihrem Tod an Obaluaiê und Omulu übergibt, so groß ist seine Abneigung gegen Krankheit und Tod. Kinder des Xangô meiden Friedhöfe und Beerdigungen.

Xangô entscheidet über das Leben aller, aber über sein Leben (und seinen Tod) darf nur er selbst entscheiden. Er ist mächtiger als der Tod. Das ist auch der Grund, warum er zu seinem Antisymbol wurde.

Die Qualitäten des Xangô

Xangô wird die Nummer 12 zugewiesen. Es gibt von ihm 12 Manifestationen: Dadá, Obá Afonjá, Obá Lubé, Agodô, Obá Kossô, Aganju, Alafim, Ibaru, Djakutá, Igboná, Airá und Airá-Intilé. Die Letzteren gelten als die Ältesten und stehen in direkter Beziehung zur Macht der Schöpfung – also mit Oshala. Aus diesem Grund ist weiße (oder neutrale) Kleidung verpflichtend und das Blau des Segi ersetzt das Rot seiner Kleidung.

Afonjá – Afonjá, der Balé (Regent) der Stadt Ilorin. Afonjá war auch Are-Ona-Kaka-n-fo, also der Führer des Heeres des Reiches. Nach der Geschichte von Oyo wurde die Stadt zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts von König Aolé regiert. Dieser hatte Verbündete, die eine Art Generäle waren und ihm jegliche Unterstützung gewährten, sodass er die absolute Macht über das Reich der Yorubá und der annektierten Reiche hielt. Aber eines Tages beschloss einer dieser Generäle, sich gegen Oyo zu erheben und sich mit seinen Feinden zu verbünden; dieser General hieß Afonjá und war als Kakanfo von Ilorin bekannt. Er erklärte sich für von Oyo unabhängig. Daraufhin vergiftete sich der König von Oyo, Aolé, um nicht den Zerfall des Reiches mit ansehen zu müssen. Afonjá betrog das Reich der Yorubá, aber als die Rebellen an die Macht kamen, wurde er 1823 von seinen neuen Alliierten enthauptet. Dieser war der Auffassung, dass ein Mann, der seinen alten König betrogen hatte, auch jeden anderen König betrügen würde.

Dieser Xangô ist sehr alt, griesgrämig und streitsüchtig. Sein Essen, seine Kleidung, Obst und Süßigkeiten müssen eine helle Farbe haben, um ihn zu besänftigen und zu erfreuen. Es ist üblich, um Frieden und Ruhe zu stiften bei seiner Igba – dem Schrein – ein weißes Fähnchen zu haben.

Obá Kosso – Titel, den Xangô erhält, als er die Stadt Kossô in der Nähe von Oyo gründet und ihr König wird. Dieser Titel wurde auch Aganju, dem Zwillingsbruder Xangôs gegeben, als er in Oyo ankam und mit Obá Kô Sô begrüßt wurde, mit „der König hat sich nicht erhängt“.

Obá Lubê – Titel Xangôs, der sich auf all seine Macht und seinen Reichtum bezieht; man kann ihn als „Reichen Herrn“ übersetzen.

Obá Irù oder Barù – Titel, der Xangô gegeben wird, als er den Höhepunkt seines Reiches erreicht: als er den Egungun-Kult schafft, wird er zur menschlichen Form des Ur-Orixá Jakutá auf Erden, Herr des Blitzes, der Gewitter, der Sonne und des Feuers in all seinen Formen ernannt. Er zerstört die Hauptstadt des Reiches in einem Wutanfall und nimmt sich anschließend reuevoll das Leben und geht in die Erde ein. In einigen Axés (hier: Tempel, spirituelle Gruppen) werden keiner Kinder dieses Orixás „eingeweiht“, da er als sehr heiß gilt und dann gefährlich wird als „Herr des Ori“ (Herr des Kopfes). Er hat eine enge Beziehung zu Exu. (Selbst sein Amalá ist anders als bei den anderen Orixás dieses Pantheons und wird nur mit Maniok-Blättern, Amaranth und Folha-de-Maravilha zubereitet.)

Obá Ajakà – Auch Bayaniym, “ Mein Vater hat mich auserwählt“ genannt, was sich auf die Tatsache bezieht, dass er der älteste Sohn Oranyans war und als Xangôs älterer Bruder das Recht hatte, den Thron zu besteigen. Er wird dennoch als Aspekt bzw. Qualität Xangôs gesehen.

Obá Aganjù – Aganjú repräsentiert alles Explosive, Unkontrollierbare; er ist die Personifizierung des Vulkans. Auch Aganjú ist ein Orixá, der zur Gruppe des Xangô gehört und ist sehr beliebt und geachtet. Nach den Itans, den Versen Ifás, ist er als Sohn des Dadá Ajaká sein Neffe. Aganjú ist eine heißblütige, aufgewühlte, zornige Gottheit. Er personifiziert den Ausbruch des Vulkans und herrscht in seinem Krater. Er wird zur Hitze, die mit großer Zerstörungskraft aus den Tiefen der Erde emporsteigt, aber auch Leben spendet. Mancherorts kommt das Leben einige Zeit nach einem Vulkanausbruch wieder. Das ist die Zeit, zu der man sich an den Mythos erinnert, nachdem Aganjú gerne immer wieder durch seine Vulkane erscheint, um die Erde umzugestalten. Die Lava, die aus den Tiefen der Erde hervorquillt, ist nach ihrem Erkalten reich an Kohlenstoff und Mineralsalzen, was sie zu seinem besonderen Axé macht, der bei der Entstehung neuen Lebens auf neuem Land hilft. Wegen dieser Eigenschaft ist er bekannt als der „Beschützer der jungen Pflanzen“, die der Erde entspringen. Das ist sein gewalttätiger Zorn, der von den Menschen besänftigt und genutzt wird.

Genau wie Xangô und Airá hat auch dieser Orixá sein „Feuer“. Und er bringt dieselben Elemente mit sich, allerdings mit anderen Rhythmen und Gesängen. Airá und Xangô nehmen auch an diesem Fest teil, bei dem die drei gemeinsam und vereint tanzen. Dasselbe passiert bei „Xangôs Feuer“ und bei „Airás Feuer“. Auch beim Roda de Xangô (Xangôtanz) und dem Roda de Airá hat jeder dieser Orixás unterschiedliche Gesänge und Rhythmen: der für Xangô geschlagene Alujá ist schneller als der für Airá, der ziemlich langsam ist. Trotzdem tanzen sie gemeinsam. Ein Orixá macht beim Fest des anderen mit und respektiert die jeweiligen Eigentümlichkeiten.

Obá Orungã – Orungan ist der Sohn von Aganju Solá und Yemanjá. Er ist der Herr der Atmosphäre – der Luft, die wir atmen und der Luftschicht, die die Erde schützt. Eine Gottheit aus dem Pantheon Xangôs von seltener Schönheit und großer Anziehungs- und Verführungskraft. Nach den Itãns ist er der Sohn von Aganju und Yemanjá. Er wird direkt mit der Hitze und der vertrockneten Erde in Verbindung gebracht und von den Yorubá als „Herr der Sonne“ behandelt. Er gilt als „Besitzer“ der höchsten Palmen, von denen die Ikins (Palmnüsse) und das Holz für die Herstellung des Brettes für das Ikinspiel (das alte Orakel von Ifá) stammen. Er ist engstens verbunden mit Orunmilá und gilt als sein erster Schüler und Priester der Wahrsagung. Insgesamt gingen Kenntnisse und Weisheiten auf seine ersten Jünger über, damit diese seine Doktrinen in der Welt verbreiten mochten.

Obá Ogodô – Auch davon spricht man viel, man sagt es über Xangô, denn Ogodô bedeutet „gähnen“. Wenn es also donnert, sagt man, dass Xangô gähnt. Xangô Ogodô ist daher einfach nur ein Titel für Xangô. Er ist ein sehr alter und in seinen Bewegungen ruhiger Orixá, aber ebenso grausam wie die anderen Orixás. Er wird mit Oríxalá, Yemanjá und Nanã in Verbindung gebracht und kleidet sich in Weiß, denn er gehört zum Beginn der Schöpfung. Außerdem steht er mit dem Süßwasser und mit Iyabá Oxum in Beziehung. Er ist ein Orixá, der keine Kompromisse macht, keine halben Sachen. Deshalb müssen seine Kinder „geradeaus gehen“. Er ist allen, die Stellungen in der Hierarchie einnehmen, zugetan, etwa Priestern, Ogãs (Hohepriester) und Ekedis (eine Art weibliche Ogãs). Als Souverän fühlt sich Xangô Menschen nahe, die hohe Ämter bekleiden. Er feiert gerne und liebt ein Feuer bei seinen Festen. Aber es darf ihm nichts missfallen, denn wenn das passiert, geht er und kommt nicht wieder. Ogodô zieht ein Fest mit wenigen Gästen, die ihm gefallen einer Menge, die ihm missfällt vor. Bei seinen Festen stellt er seine Mutter beim Umzug galant an die Spitze, gefolgt von den anderen Iyabás.

Obá Jakutá – Jakutá ist die Repräsentation der Gerechtigkeit und des Zornes Oloruns. Nach dem Mythos wurde Xangô in diesen Orixá eingeführt, der als seine göttliche Urform gilt. Er wurde in seiner göttlichen Form von Olorun geschickt, um die Ordnung herzustellen und zu einer Zeit des Streits zwischen den Göttern Oduduwa und Oshala den Plänen der Schöpfung zu unterwerfen. Das ist der eigentliche Xangô.

Die Airás sind uralte Irunmolés aus der Region Savé in Benin, die allein über die göttliche Seite in den Pantheon der Xangôs gelangt sind und keinen historischen Hintergrund haben. Obgleich sie zur Familie der roten Farbe – des Elements Feuer – gehören, sind sie auch in der Gruppe der Funfuns zuhause, die direkt mit der Gruppe der Oshalas verbunden sind. Genau wie diese benutzen sie die Farbe Weiß. In ihren Halsketten tragen sie zu Ehren Oduduwas einige Segues – dunkelblaue Kettenglieder – als Repräsentation der Erde. Sie sind langsame Orixás, ruhig, mit sanften Tänzen, die Tumult und Verwirrung nicht ausstehen können; sie lieben die Stille, genau wie Orixalá. Ihre größte Freude ist es, umgeben von Iyabás zu leben, am liebsten Yamanha und Oxum, die sie sehr achten. Selbst in der Ernährung zeigen sie diese Vorliebe, denn sie bestehen darauf, dass die Okras ihres Amalá nur von Frauen – den Kindern von Iyabás – geschnitten werden. Meist benutzen sie weiße Kleider, aber in einigen Candomblé-Tempeln tragen sie auch helle Farben.

Die mythische Mutter Airás heißt „Orixá Mama“ und ihr Vater Oluxanxê (Òlúsansè); dieser Name darf nicht in Geplauder ausgesprochen werden.

Es gibt sieben Aírás, die folgende Namen tragen: lbona, Abana, Abomim, Ajaussi, Telá, ltinjá und ltinlé. Sie tragen keine Krone wie Xangô, denn sie sind keine Königinnen; stattdessen tragen sie auf dem Kopf Krug-Trageringe aus Tuch. Auch in der Ernährung lehnen sie einige Tiere als Speise ab, die Xangô bevorzugt. Obwohl sie in die weiße Gruppe gehören, akzeptieren die Airás bei ihren Feierlichkeiten ein wenig Palmöl, um Bewegung und Dynamik herzustellen.

 

EIGENSCHAFTEN DER KINDER

Xangô ist der Orixá der Gerechtigkeit und sein bevorzugtes Wirkungsfeld ist die Vernunft, die in den Menschen den Sinn für Ausgeglichenheit und Gleichheit erweckt, denn nur durch Bewusstmachung und Erwachen der wahren Werte im Leben kann die Entwicklung in einem kontinuierlichen Fluss fortschreiten. Seine Kinder sind also im Grundsatz den Prinzipien Recht und Leben verpflichtet.

Der Xangô-Typ ist physisch stark, neigt aber ein wenig zur Fettleibigkeit, die mehr oder weniger deutlich ausgeprägt sein kann, je nach seinen Adjuntós – dem zweiten und dritten Orixá einer Person. Gleichzeitig hat er aber fast immer starke Knochen, die so fest sind wie ein Fels. Oft ist er ein stämmiger Typ mit kräftigem und breitem Rumpf, gut ausgebildeten und im Vergleich zur kleinen Statur klar gezeichneten Schultern. Seine Körperhaltung ist immer nobel und zeigt die Würde eines Königs. Er wird immer von großem Gefolge begleitet, doch obwohl er nie allein ist, ist die Einsamkeit eines seiner Stigmata.

Die Tochter Xangôs zeigt regelmäßig einen Mangel an Eleganz. Es ist nicht so, als schätze sie schöne Kleider nicht – dank der ihrem Typ eigenen Eitelkeit ist sie von auserlesener und teurer Kleidung fasziniert und weiß immer ganz genau, was jeweils das Beste ist. Aber sie ist viel besser darin, die richtigen Kleider auszusuchen, als darin, sie zu tragen. Über ihre etwas männliche Haltung und Art zu gehen darf man sich nicht wundern und man darf das nicht als Hinweis auf ihre sexuelle Neigung verstehen. Schließlich ähnelt ihr Körper eher männlichen Archetypen: breite Schultern, kräftige Knochen, entschlossene Haltung und schwere Schritte – immer eine Erinnerung an ihr steinernes Wesen.

Sexuell ist der Xangô-Typ ein Schürzenjäger. Seine Kinder haben also immer diese Eigenart, sowohl Männer als auch Frauen (die zu den glühendsten Liebhaberinnen auf der Welt zählen). Die Kinder Xangôs gelten als große Eroberer, das andere Geschlecht zieht sie sehr an und die sexuelle Eroberung spielt in ihrem Leben eine große Rolle. Obwohl Sex für sie etwas Lebenswichtiges und Unersetzliches ist, ist das Objekt ihrer Begierde nach Befriedigung ihrer Lust keiner weiteren Aufmerksamkeit würdig. In ihren dauerhafteren Beziehungen sind sie ehrlich und sie nehmen sie ernst.

Für die Beschreibung des psychologischen und physischen Archetyps der Personen, die zu Xangô gehören, mag man sich einer seiner symbolischen Entsprechungen bedienen – dem Stein. In der Natur ist Xangô dem Fels am nächsten und all seine Eigenschaften sind von der Fähigkeit gekennzeichnet, beide Seiten einer Frage zu betrachten, neutral und mit der felsenfesten Unverrückbarkeit, die sie in jedem Sinn zeigen.

Die Kinder Xangôs haben sehr viel Energie und ein enormes Selbstwertgefühl und sind der Überzeugung, dass sie wichtig sind und Respekt und Aufmerksamkeit verdienen, vor allem aber, dass ihre Meinung berücksichtigt werden muss. Sie sind damit ein wenig egozentrisch, und das steht nicht unbedingt im Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Rolle in der Gesellschaft. Die Kinder Xangôs werden immer gehört, manchmal auch von wichtigeren Leuten, als sie selbst es sind, und das sogar dann, wenn sie nicht als Spezialisten für die anstehende Frage gelten oder sogar überhaupt nicht qualifiziert sind.. Sie akzeptieren nicht, dass ihre Meinung von anderen in Frage gestellt wird, schon gar nicht, wenn sie die Angelegenheit aufgrund ihrer eigenen Entscheidung als abgeschlossen betrachten. Sie haben also gerne bei allem das letzte Wort, auch wenn sie durchaus zuhören können. Wenn man sie ärgert, werden sie aber schnell gewalttätig und geraten außer Kontrolle. Dann lösen sie alle Probleme schnell und ohne Rücksicht auf Verluste, aber wenn die Ordnung wiederhergestellt ist, kehren sie zu ihrem normalen Verhalten zurück.

Zusammengefasst ähnelt der Archetyp Xangôs einem aufgeklärten Despoten, der die Macht innehat und unbeirrbar ausübt, keine Zweifel an seinem Recht auf die Macht zulässt und über alle nach einem engen, soliden und kaum anzweifelbaren Wertekatalog urteilt. Seine Laune ist immer dieselbe, aber er ist nicht in der Lage, eine Ungerechtigkeit zu begehen oder eine Wahl aufgrund von Leidenschaften, Interessen oder Freundschaften zu treffen.

Die Kinder Xangôs sind außerordentlich energiegeladen, autoritär, üben gerne Einfluss auf andere aus und beherrschen gerne alle. Sie sind geborene Führungsmenschen, gerecht, ehrlich und ausgeglichen, aber wenn man sie ärgert, ermächtigt sich ihrer ein brutaler und unkontrollierbarer Zorn. Sie wollen niemandem gegenüber bewusst ungerecht sein, aber ein gewisser Egoismus ist Teil ihres Archetyps.

Sie können geizig sein. Es ist kein Zufall, dass Xangô den Alujá mit geschlossener Hand tanzt. Sie lieben Macht und Wissen, die beiden großen Ziele ihrer Eitelkeit. Die Kinder Xangôs sind stur, handeln strategisch und bekommen, was sie wollen. Alles, was sie tun, zeigt irgendwie ihre Anwesenheit an. Sie müssen immer mit vielen Menschen zusammen sein und haben Angst davor, vergessen zu werden, denn solange sie allen im Gedächtnis sind, wissen sie, dass sie nach ihrem „strategischen Rückzug“ weiterleben werden.

Die Kinder Xangôs sind tendenziell hochmütig, vielleicht, weil sie sich bewusst sind, die Kinder eines mythischen Königs zu sein. Sie mögen es nicht, wenn ihnen jemand widerspricht oder sie herumkommandiert, der nicht in der Lage ist, Autorität auszuüben oder die Führung zu übernehmen. Sie sind sehr streng und energisch, können bei Bedarf aber auch gutmütig und geduldig sein. Sie sind gerechte Menschen und handeln oft unparteiisch. Wenn es um Gerechtigkeit oder Pflicht geht, können sie gewalttätig und cholerisch werden und gehen über alle Grenzen guten Benehmens hinaus. Aber sie sind nicht nachtragend, denn sie können mit ihrer wechselhaften Laune umgehen. Im gesellschaftlichen Leben sind sie gute Gesprächspartner, charmant, sinnlich, ziehen immer die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts auf sich, weil sie meist große sexuelle Anziehungskraft ausüben. Sie sind bezaubernd und schaffen es, Gruppen anzuziehen, die Frohsinn auf ihre Feste bringen. Gleichzeitig sind sie unausgeglichen und es kommt leicht zum Streit. Manchmal kann schon der kleinste Funken zu einem Flächenbrand führen, denn sie können nicht gut mit Menschen oder extremen Situationen umgehen.

Sie sind hervorragende Väter und Mütter, ohne dabei erdrückend zu sein. Sie versuchen, ihren Kindern Freiheit mit Verantwortung zu geben, Fürsorge ohne körperliche Zärtlichkeiten und viel, viel Liebe, aber ohne dafür etwas zu erwarten.

Sie sind Arbeiter und Kämpfer, brauchen aber auch ihre Pausen; dann versuchen sie immer, in Gesellschaft anderer zu sein, denn die große Angst der Kinder Xangôs ist die Einsamkeit, das Vergessenwerden. Sie müssen immer die Wärme menschlicher Nähe spüren. Genau wie ihr Orixá mögen sie nichts, das an Kälte, Krankheit, Entkopplung erinnert. Krankenhäuser und Friedhöfe sind Orte, die sie beunruhigen. Sie verkörpern das Prinzip des Lebens und vermeiden deswegen alles, was mit dem Tod in Verbindung gebracht werden kann.

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