Warenkorb leer!
Zum Warenkorb Zur Kasse
Zwischensumme: 0,00 

OXÓSSI

ALLGEMEINE BESCHREIBUNG

Oxóssi (Òsóòsi) ist der Orixá der Jagd, des Waldes, der Tiere, der Fülle, des Unterhalts. Er ist in den Mahlzeiten, denn er beschert die Nahrung. Er ist die Leichtigkeit, die List, die Weisheit, die Hinterlist bei der Jagd. Er ist ein Orixá der Kontemplation, ein Liebhaber der Künste und schönen Dinge. Er ist der Jäger der Axé (Energie), er sucht nach den guten Dingen für den Ilé, den Tempelplatz; er jagt die guten Einflüsse und die positiven Energien.

Der Name Oxóssi kommt von dem Yorubá-Wort oṣóòsi oder òsò wúsí, was so viel heißt wie „der Hüter ist beliebt“, „populärer Jäger oder Hüter“, „Zauberer der Linken“ oder „Zauberer“, denn Oxóssi ist ein großer und fähiger Zauberer, der die Magie von den Blättern, den Tieren und der Natur gelernt hat, nachdem er die Geheimnisse der Iyámi-Òsóòróngá entdeckt hat und nachdem er einen der Vögel der Eleyés – der Hexen – getötet und das Volk von Ketu vom Zauber befreit hat; deshalb wurde er auch zum König und Souverän von Ketu. Er wird auch als Odé bezeichnet, was von Yorubá „odẹ“ kommt und „jagend“ bedeutet. Grund dafür ist, dass Oxóssi der Beschützer der Jäger ist, die für ihren Unterhalt und die Ernährung ihrer Familie jagen.

Einige Geschichten um Oxóssi bezeichnen ihn als Bruder Ogums. Gemeinsam beherrschten sie den Wald und führten den Menschen zum Fortschritt. Oxóssi ist nicht nur der Bruder, sondern auch ein großer Freund von Ogum – man sagt sogar, er sei einer seiner Geweihten, und wo Ogum ist, da muss auch Oxóssi sein; ihre Kräfte ergänzen sich und gemeinsam sind sie noch unschlagbarer. Von Ogum bekam er seine Jagdwaffen. Ossaim verliebte sich in Oxossis Schönheit und hielt ihn im Wald gefangen. Ogum gelingt es, in den Wald einzudringen und ihn mit den Waffen eines Schmiedes zu befreien. Oxóssi unterhält eine enge Beziehung zu Ossaim (Òsanyìn), von dem er die Geheimnisse der Blätter und des Waldes gelernt hat; er wurde zu einem großen Zauberer und Herrn aller Blätter, aber er musste sich doch dem Zauber Ossaims unterwerfen. Er wird assoziiert mit der Kälte, der Nacht, dem Mond; seine Pflanzen sind erfrischend.

Die Geschichte nennt Oxóssi als Sohn Yemanjás, aber seine tatsächliche Mutter war nach den Ältesten Apaoká, die Jaqueira (ein Baum), die zu einer der Iyá-Mi wurde, daher die Vertrautheit Oxóssis mit diesem Baum. Der Ungehorsam ist bei Oxóssi etwas, das in seiner Geschichte latent angelegt ist. Erst durch seine Nichtbeachtung von Verboten wurde Oxóssi zum Orixá. Genau wie Xangô ist Oxóssi das Gegenteil des Todes, er ist der Inbegriff des Lebens. Oxóssi kümmert es nicht, wie lange man lebt, solange man intensiv lebt. Die Kälte des Todes – Ikú – berührt Oxóssi nicht, denn er glaubt nicht an den Tod.

In der Menschheitsgeschichte erfüllt Oxóssi eine wichtige zivilisatorische Rolle, denn als Jäger repräsentiert er die archaischsten Formen des menschlichen Überlebens, die unaufhörliche Suche des Menschen nach Wegen, die es ihm ermöglichen, sich über die Natur zu erheben und der unbekannten Welt seinen Stempel aufzudrücken.

Sammeln und jagen sind die ursprünglichen Formen der Nahrungssuche; sie sind die Domäne Oxóssis, des Orixás, der das repräsentiert, was in der menschlichen Existenz am ältesten ist: den Kampf ums Überleben. Oxóssi ist der Orixá der Fülle und der Ernährung; er lernt, die Gefahren des Waldes zu beherrschen und zieht los auf der Suche nach dem Wild, um seinen Stamm zu ernähren. Mehr noch, Oxóssi repräsentiert den Sieg der Kultur (wenn man den Bogen als Kulturgut betrachtet, der soziale, magische, religiöse Bedeutung erlangt) über die Natur.

Was wir jeden Tag beim Mittag- und Abendessen, ja, bei allen Mahlzeiten vorfinden, hat er uns beschert, denn er sorgt für die Nahrung. Im alten Afrika galt Oxóssi als Beschützer der Jäger, denn ihnen oblag es, den Stamm zu versorgen. Heute beschützt Oxóssi jene Menschen, die jeden Tag zur Arbeit gehen, um den Unterhalt zu verdienen. Oxóssi ist auch mit den Künsten verbunden. Er ist anwesend, wenn ein Bild gemalt, eine Skulptur geformt, ein Musikstück komponiert wird; er ist in den Schritten eines Tanzes, in der Mischung der Farben, im Schreiben eines Gedichts, eines Romans oder einer Chronik. Er ist in der Kunst ganz allgemein, vom Gesang und Zirpen der Vögel bis hin zum Gesang des Menschen.

Oxóssi beherrscht auch den Zug der Vögel und die Entwicklung der kleinen Vögel. Oxóssi ist die Freude am Singen, Schreiben, Malen, Bildhauen, Tanzen, Pflanzen, Sammeln, Jagen, am Leben mit Dynamik und Optimismus. Oxóssi ist der Gott der Kultur, der seinen Kindern großes künstlerisches Talent gibt, sei es im Gesang, der Literatur, der Malerei usw.

Kurioserweise ist Oxóssi auch die Gemütlichkeit, die Lust an der Bewunderung, der Kontemplation. Oxóssi ist auch ein Stück weit die Faulheit, die Lust, nichts zu tun, oder höchstens vielleicht etwas nachzudenken und etwas Kreatives zu schaffen. Seine negative Seite ist der Mangel an Nahrung, die schlechte Bestellung des Feldes, das Verfaulen des Obsts, des Gemüses und des Salats, und auch die schlampig gemachte oder unfertige oder abgeschmackte Kunst. Das Element Oxóssis ist die Erde und die Meinungsfreiheit, die Freiheit, so zu leben, wie wir sind. Sein Gruß ist „okê arô“ oder einfach „okê“.

Oxóssi ist die Erweiterung des Horizonts, des Handlungsfeldes, da die Jagd eine Metapher für das Wissen ist, die größte Erweiterung im Leben. Mit dem Erlangen von Wissen erreicht Oxóssi sein Ziel. Daher ist er einer der mit der Lehre, der Kultur und der Kunst verbundenen Orixás. Bei den alten afrikanischen Stämmen oblag es dem Jäger, der in die Welt „da draußen“ – den Wald – ging, sowohl Wild als auch Heilkräuter zu bringen. Außerdem waren es die Jäger, die die Orte fanden, an die der Stamm als nächstes ziehen oder an denen er einen Acker anlegen könnte. So ist der Orixá der Jagd umfassend für die Weitergabe von Wissen und für die Entdeckungen zuständig. Der Jäger entdeckt den neuen Ort, aber es sind die anderen Stammesmitglieder, die den Stamm am neuen Ort ansiedeln. So repräsentiert Oxóssi die Suche nach dem puren Wissen: die Wissenschaft und Philosophie. Ogum fällt die Aufgabe zu, dieses Wissen in Technik umzusetzen.

Obwohl man für die unterschiedlichsten Facetten des Lebens Gebete und Opfer an Oxóssi richten kann, erbitten die Gläubigen wegen der Aspekte Expansion und Wohlstand dieses Orixás seine Hilfe normalerweise, um Probleme bei der Arbeit oder mit Arbeitslosigkeit zu lösen. Schließlich fiel es gewöhnlich den Jägern zu, für das tägliche Brot zu sorgen, für die Ernährung des Stammes.

Aufgrund seiner Verbindung zum Wald erbittet man von ihm die Heilung bestimmter Krankheiten und wegen seiner kriegerischen Natur spirituellen und materiellen Schutz. Er ist der Herr der Intelligenz, des Wissens, der Weisheit und der Neugier. Die Älteren sagen, dass Oxóssi neben den Funfuns und Onilé der einzige Orixá ist, der die Geheimnisse der Welt außerhalb des Dorfes kennt, weil er alle Tabus der Welt gebrochen hat. Deshalb entgeht Oxóssi auch nichts.

Er ist ein Jagdgott, der in den Wäldern lebt. Seine wichtigsten Symbole sind Pfeil und Bogen (Ofá) und ein Ochsenschwanz, Eruexim. In einigen Legenden erscheint er als Bruder von Ogum und Exú. Er ist der Orixá der Jagd, Jäger der Elefanten, einem Tier, das mit Königtum und den Vorfahren in Verbindung gebracht wird. Ein Mythos besagt, dass Oxóssi Iansã im Wald in der Form eines großen Elefanten traf, der sich in eine Frau verwandelte. Er heiratet sie und hat viele Kinder mit ihr, die verlassen und von Oxum großgezogen werden. Nachdem Iansã ihn verlassen hat, ist er zum einsamen Junggesellen geworden, nicht zuletzt auch, weil er sich als Jäger von den Frauen fernhalten muss, denn die Frauen haben einen schlechten Einfluss auf die Jagd.

Oxossi genügt sich selbst. Mit ihm waren einige weibliche Orixás verbunden, aber am meisten sticht Oxum heraus, mit der er eine unstete, vor allem sexuelle Beziehung unterhielt, die sowohl für die Mutter des Süßwassers als auch für den Jäger wichtig war, die sich aber im täglichen Zusammenleben schwierig gestaltete, da sie den Luxus und die Selbstdarstellung repräsentiert, er die Entsagung und Entäußerung.

Gerissenheit, Intelligenz und Vorsicht sind Oxóssis Attribute, denn wie seine Geschichte zeigt, hat dieser Jäger nur einen einzigen Pfeil und darf daher nie daneben schießen, und er trifft auch immer. In dem, was er tut, ist Oxóssi der Beste, und er strebt stets nach Perfektion.

Oxóssi, der einsame Jäger, wurde von seiner Mutter Yemanjá vor den Gefahren, die im Wald auf ihn lauerten, gewarnt. Yemanjá fürchtete um die Sicherheit ihres Sohnes und fragte ihn einmal: „Oxóssi, würdest du auf Bitten deiner Mutter Yemanjá von der Jagd lassen?“ Darauf antwortete dieser: „Yemanjá, meine Mutter, ich würde deinen schwierigsten Wunsch erfüllen, aber ich kann keinen unmöglichen Wunsch erfüllen. Würde Yemanjá auf Bitten ihres Sohnes Oxóssi vom Übel lassen?“

Und Oxóssi brach auf eine seiner Expeditionen in den Wald auf, das Reich der Angst, des Unbekannten, das jenseits des Dorfes liegt; das Reich Ossaims, des Orixá, der das Geheimnis aller Blätter wahrt. Als Oxóssi schon von der Jagd erschöpft war, bemerkte er Ossaim, der zu ihm sagte: „Der Jäger ist müde. Oxóssi, du sehnst dich nach einem Unterschlupf im Herzen des Waldes. Trink, mein Freund, trink den Zaubertrank Ossaims.“ Oxóssi nahm das Angebot an und ließ sich von Ossaim verzaubern. Dadurch wurde er zu seinem Gefangenen und lebte fortan mit ihm im Wald.

Ogum überbrachte Yemanjá die Nachricht. Diese klagte traurig: „Das Meer wird vor Sehnsucht nach Oxóssi weinen“. Aber der Zauber verging. Doch als Oxóssi daraufhin nach Hause zurückkehrte, fand er eine hartherzige und unnachgiebige Yemanjá vor, die ihn abwies. Oxóssi kehrte in den Wald zurück, zurück zu Ossaim. Ogum missbilligte die Haltung seiner Mutter und verließ sie. Yemanjá weinte hemmungslos, so sehr, dass sie sich in Tränen auflöste und zu einem Strom zerrann, der in Richtung Meer floss.

Danach fand Oxóssi im Wald ein permanentes Refugium. Von Ossaim lernte er alle Geheimnisse der medizinischen und liturgischen Pflanzen. Von der eigenen Mutter zurückgewiesen, wurde er zum Sohn des Waldes und Vater aller Pflanzen.

Eines Tages schleppte sich Oxóssi mit letzter Kraft in sein Dorf zurück, niedergedrückt vom Gewicht seines Beutels, von seinen leeren Kalebassen und der Erschöpfung vom Schleppen des erjagten, seltenen Wildes. Oxum, seine Frau und Kindmutter, sah ihn an und dachte: „Er hat nur Schande gejagt“, denn die Schande für Oxóssi war von Ifá vorhergesagt worden. Als sie aber Oxóssi von dieser Wahrsagung erzählte, sagte dieser, dass Hunger eine Schande sein, eine Frau ohne Milch und ein Kind, das keine Fürsorge erfährt, und vor allem ein ängstlicher Mann.

Als Oxóssi auf Oxum zuging, bemerkte sie, dass er etwas im Beutel trug und spürte gleichzeitig Furcht und Freude. Er hatte seine Jagdbeute in der Tasche und sie fragte sich, ob es ein Felltier oder ein Vogel wäre. „Was hast du da?“, fragte sie ihn, worauf er antwortete: „Ich bringe das Fleisch, das über die Erde kriecht und im Wasser schwimmt, im Wald und im Fluss lebt, das Tier, das sich in sich selbst einrollt.“

Und mit diesen Worten nahm er Stücke einer großen Schlange aus seinem Beutel. Das Tier drehte den Kopf um und rollte mit den Augen, bewegte seine gespaltene Zunge und sang traurig: „Ich bin kein Federvieh, das Oxóssi jagen kann“. Die Schlange gehörte Xangô und Oxóssi hätte sie nicht töten dürfen. Oxum floh in Angst vor der Rache Xangôs und bat Ifá um Rat, der ihr sagte: „Gerechtigkeit wird walten und so wird Oxóssis Körper verschwinden und aus dem Gedächtnis Oxumarés gelöscht und das Ewò (Tabu) aus der Rache Xangôs“.

Es war Teil der Strafe Oxóssis, dass er aus dem Gedächtnis des Volkes Kêtu gelöscht wurde. Und er geriet sieben Jahre lang in Vergessenheit. Am Orunko-Tag (Tag des Namens des Orixá jedes Einzelnen) begann das Volk Kêtu zu weinen, denn es erinnerte sich nicht an den Namen seines Königs. Die Menschen senkten die Augen und versuchten zu verstehen, warum sie sich nicht an ihn erinnern konnten. Daraufhin lehrte sie Ifá ein Orô (Gebet, das man zur Opferung eines Tieres spricht). Nach dem Orô begann das Volk, sich an Oxóssi zu erinnern. Ifá sagte, dass es das Orô des Oxóssi sei, des Orixá der Jagd (Odé), des mutigen Königs der Kêtu, König der Jagd, der nichts fürchtete und das Leben seiner Kinder und der Kindeskinder seiner Kinder bewahrte.

Kurz, weil er die Vorhersagen Ifás in den Wind geschlagen und Oxumaré, Xangôs Schlange, getötet hatte, starb Odé, aber dank der Gnade Ifás, die die traurigen Klagen Oxums und seines Volkes hörte, wurde er in der Figur Oxóssis, des Jäger-Kriegers, Herrn des Waldes und furchtlosen Alakétu-Königs wiedergeboren.

Oxóssi ist ein strenger Gott, der sich schon von Kleinigkeiten verletzt fühlt und sich leicht ärgert; er ist ein außerordentlich ehrlicher Orixá, dass es schon peinlich ist. Oxóssi erlaubt keine Nachlässigkeit bei der Erfüllung der Pflichten ihm gegenüber, das verzeiht er nie. Oxóssi ist eine lange Straße, die in einem großen Wald endet. Er steht für die Kontinuität und Entwicklung in der Natur. Oxóssi ist die unaufhörliche Suche des Menschen, aber während dieser sich in der Zeit verliert, arbeitet Oxóssi weiter am Aufbau der Zivilisation.

Oya hilft Oxóssi bei der Pflege der Wälder, indem sie mit ihren Winden und über die Vögel die Samen und den Pollen heranträgt, die zu Keimung und Heranwachsen neuer Pflanzenarten beitragen. Diese Kriegs-Íyabá hilft Oxóssi auch beim Kampf gegen die Feinde seiner Kinder, sowohl materiell als auch spirituell. Als Vertreter der Oxôs hat Oxóssi das Vorrecht, den Menschen zu beschützen und sich zwischen ihn und die über die Ajés, die Hexen, von seinen Feinden geschickten Übel zu stellen.

Oxóssi ist der beste Bogenschütze unter den Odés und gilt aufgrund seines Erfolgs beim Jagen, Fischen und beim Ackerbau als „Orixá des Reichtums und des Fortschritts“. Durch diese Entwicklung vereint er sich mit seinem Bruder Ogum, einem Roder, der mit der Landwirtschaft, der Jagd und den Metallen in Verbindung gebracht wird, und mit Oxaguian, dem weißen Krieger aus der Familie Orixalás und Herrn der Landwirtschaft. Ogum stellt die Werkzeuge für die Bestellung des Landes und die Waffen für Verteidigung, Jagd und Fischerei her und bereit. Da er von den Yorubá auch als „Herr des Getreides“ betrachtet wird, benötigt er auch Oxaguian für den Anbau des Getreodes und seine Verarbeitung im Stößel. Diese drei mächtigen Orixás tun sich im Dienste einer großen Sache zusammen: den Menschen und der Erde Fortschritt und Beistand zu bringen.

Neben dieser Verbindung haben Oxóssi und Ogum noch andere Ähnlichkeiten, denn sie haben beide dieselbe Sehnsucht nach Freiheit und die Lust, neues Land kennenzulernen, zu roden und zu erobern. Aber die beiden unterscheiden sich auch in einigen Details. Oxóssi ist direkt verbunden mit jungfräulichem Land, das der Entdeckung und Besiedlung durch sein Volk harrt: das sind neue Gefilde zum Jagen, neue Flüsse zum Fischen und neues Land zum Pflanzen. Dort schlägt er Wurzeln, solange Jagd und Fischerei gut sind; wenn der Jagderfolg seltener wird, sucht er sich neue Gefilde, denn die Welt gehört ihm! Ogum hingegen lässt sich garnicht auf Dauer nieder, denn er strebt stets nach Weiterentwicklung, nach Kriegen, die Lösungen bringen und Differenzen lösen. In ihnen werden diese Eigenschaften sichtbarer und offensichtlicher, weil sie ähnlich alt sind und roh wie der Buschmann und dieselbe freiheitsliebende Persönlichkeit haben. Kurz, sie schaffen eine Einheit aus der ältesten Beschäftigung des Menschen, der Jagd, mit einer jüngeren, dem Überlebenskampf über den bewaffneten Kampf. Die beiden ergänzen und verstehen sich trotz aller Unterschiede.

Aufgrund seiner Interaktion mit der Erde gehört Oxóssi zur Gruppe der Onilés, der „Herren der Erde“. Er ist es, der das Gesetz des Gleichgewichts in der Natur erlässt, das es dem Menschen nur erlaubt, sich das von der Erde zu nehmen, was er für sein Überleben benötigt. Er sorgt für das Jagdwild, den Fisch und den Reichtum der Erde, damit es ständig Nachschub gibt. Wenn eine Art Nahrung saisonal ausfällt, sorgt Oxóssi sofort für eine andere Nahrungsquelle. So ermöglicht er es der Erde, sich zu erholen, sich zu erneuern, neue Kraft zu schöpfen. Wäre dem nicht so und der Mensch nutzte nur die Früchte der Erde, dann hätte sie schon lange ihre Elemente und Nährstoffe verloren, die für das Überleben und für eine reichhaltige Ernte erforderlich sind.

Oxóssi ist ein sehr sensibler Orixá mit einem sehr ausgeprägten Sinn für Selbstschutz, schwer zu fassen und sogar scheu, immer auf der Lauer und bereit zu handeln. Seine Lieblingsbeschäftigung ist die Kontemplation, was ihn zu einem guten Beobachter macht. Er liebt es, draußen zu sein, akzeptiert keine Einschränkung oder Eingrenzung, er liebt die Bewegung, genau wie sein Bruder Exu. Zusammen mit Ossaim und Ogum bildet er die einzige Gruppe von Orixás, die nur Werkzeuge aus Roheisen haben. Die Verwendung dieses Materials rechtfertigt seine Verbindung mit den Elementen der Erde und seine Verknüpfung mit dem rudimentären und verrohten Charakter dieser Orixás,

Oxóssi hatte mehrere Liebesbeziehungen, aber seine große Liebe war Oxum, die Schönste der Schönen und eine der Anführerinnen der Ajés. Aus der Liebe zwischen Odé Erinlé und Oxum Ieiepondá ging Logunedé hervor, der aus der Vereinigung der unüberwindlichen Macht der Iyamís im Bündnis mit den Oxôs entsprang. So entstand der große Zauberer. Mutig, verführerisch und scheu wie sein Vater und schön, sinnlich und großzügig wie die Mutter. Er kennt die zwiespältigen Kräfte von Wald und Jagd gut, ebenso wie die Kräfte des Süßwassers und der Fischerei.

Ein Element, das bei der perfekten Verbindung zwischen Oxóssi und Oxum hilft, ist der Honig, diese gelbliche und höchst kostbare Flüssigkeit. Oxum ist die „Herrin des Honigs“ und sieht in Oxóssis Verbindung zu diesem Produkt einen großen Antagonismus: Die Bienen, die den Honig machen, gehören ihm und sind das Symbol der Jäger, weil sie mit dem Stachel das Symbol für den Pfeil tragen. Und doch ist ihr Honig das größte Tabu für Oxóssi. Gleichzeitig sind diese kleinen, produktiven Insekten in den Wäldern auch die Repräsentanten der weiblichen Vorfahren. Sie symbolisieren über die Vereinigung von Oxóssi und Oxum die Verbindung zwischen den Oxôs und den Ajés.

Noch eine weitere mächtige Iyabá erscheint auf seinen Wegen als Jägerin und Kriegerin: Obá, seine unzertrennliche Gefährtin im Wald. Obá liebt Oxóssi im Stillen, aber sie ist eine Kriegerin von Natur, die den Jäger-Zauberer im täglichen Leben unterstützt. Diese beiden sind kein Paar, es ist lediglich der Zusammenschluss zweier Abenteurer und Freunde auf der Jagd nach Wild und Fisch. Das Verhältnis zwischen ihm und Yemanjá ist da schon zärtlicher, mütterlicher und fast beschützend. Er gilt als ihr Sohn mit Orunmilá und hat von seinen Eltern bestimmte Eigenschaften geerbt: Wie seine Mutter ist er ruhig, ein guter Beobachter, und liebt seine Kinder so sehr, dass er sogar eifersüchtig auf sie ist. Doch seine wichtigsten Attribute sind Mut, Intelligenz und Weisheit, die er von seinem mythischen Vater hat, und die er nutzt, um dem Menschen beizustehen.

Es gibt viele Manifestationen von Oxóssi: Akeran, Otin (alt und aggressiv), Orinlé (oder Inlé), Ibualamo, Arolé, Igbó, Dana-Dana, Ósè und andere:

Aqüerã – der „Herr der Fülle“. Er ruht auf Ossaim und Oxumaré. Er lebt im tiefsten Teil des Waldes und kleidet sich in Hellblau. Seine Tiere werden im Wald freigelassen, nachdem im Candomblé-Tempel bestimmte Rituale stattgefunden haben.

Danadana – Oxóssi-Typ mit Verbindung zu Exu, Oyá, Ossaim und Oxumaré. Er hat nicht die geringste Angst vor den Egun – den Ahnen – oder dem Tod. Er trägt hellblaue Kleider.

Otí – ein Kriegs-Odé, der seine Opfergaben gemeinsam mit Ogum entgegennimmt. Er ist ein sehr alter Oxóssi mit einem schwierigen Gemüt, der keine Provokationen oder Frechheiten akzeptiert, und erst recht nicht, dass seine Kinder ihm nicht gehorchen. Er trägt Hellblau oder blau und rot gemusterte Kleider. Seine Halsketten sind blau.

Walé oder Alê – eine sehr alte und rüde Manifestation von Oxóssi. Er isst gemeinsam mit Exu und Ogum. Er mag den Kontakt mit Frauen nicht und kleidet sich in Dunkelblau.

Oreluerê/Oluerê oder Onipapô – einer der Kameraden Oduduwas bei seiner Ankunft auf der Erde (Aiê). Er gilt als der erste Odé, der die Welt durchstreifte, um sie kennenzulernen und seine Zusicherung zu geben, dass die Erde als Wohnstätte für Götter und Menschen geeignet ist.

Ibuna/Ogunlodê – wird als „Palmen-Oxóssi“ bezeichnet.

Wáwá – der Jäger der Ebenen des Orun (Himmels), ein sehr alter Funfun mit enger Beziehung zu Obatalá.

Mutalambô (Bantu) – verbindet sich mit Aluvaiá.

Gongobila (Bantu) – steht in Beziehung mit Lembaranganga und Quissimbi. Er ist ein mächtiger Sohn Olorums. Er ist nicht nur Jäger im physischen Sinne, sondern auch in moralischem, spirituellem und psychologischem Sinne. Der Orixá, der die Menschen liebt und seinen Kindern das Glück bringt, erwartet von ihnen eine gute Bildung und ein angenehmes Wesen als Mensch. Er verlangt das, damit sie inneren Frieden erlangen und bereit sind, Hindernisse und Schwierigkeiten zu überwinden. Möge der mächtige Jäger seine Kinder immer in die Lage versetzen, ihren Nächsten zu helfen und sie zu lehren, den Weg des Fortschritts zu gehen.

 

EIGENSCHAFTEN DER KINDER

Seine Kinder sind fröhlich und ausgelassen, reden viel, sind sehr nervös und unsicher, obwohl sie diese Gefühle nicht übertragen, im Gegenteil, ihre Gesellschaft ist angenehm und stimulierend. Manchmal sind sie aggressiv und so offen, dass es schon ans Rüpelhafte grenzt, aber sie strahlen so viel Sympathie aus, dass sie immer von einer aktiven und dynamischen Gruppe umgeben sind. Sie sind mystisch und intuitiv, geistig enorm schnell. Sie hören sich gerne Ratschläge und Tipps an, vergessen sie aber, wenn es darauf ankommt; stattdessen werden sie dann hektisch, handeln unlogisch und sind manchmal unentschlossen: es ist nicht einfach, mit ihnen zusammen zu sein.

Sie haben viele Freunde, mögen aber keine zu engen Freundschaften. Sie sind liebenswürdig und gastfreundlich, aber auch sehr reserviert. Sie lassen sich von Komplimenten mitreißen, was ihnen im Leben einiges Ungemach bereitet. Sie können sehr gut sprechen und schreiben, sind ausgezeichnete Koordinatoren, verteilen die Aufgaben an alle – nur, dass für sie am Ende nie etwas zu tun bleibt, obwohl sie die aktivsten von allen zu sein scheinen. Sie schmieden erfindungsreiche und originelle Pläne, sind clever und scharfsinnig, aber auch ungeduldig gegenüber den Langsamen, den Ruhigeren und Nachdenklichen, und lassen alle zurück, die ihren aktiven Rhythmus nicht mitmachen. Bewegung und Umzug sind für sie normal, ihre Vorstellungen ändern sich, wenn man es am wenigsten erwartet, nichts ist fest, alles unterliegt dem Ausprobieren neuer Erfahrungen und Gefühle, denn wenn es nach ihnen geht, kann alles eine Veränderung gebrauchen.

Sie schätzen Diskussionen um des Gefühls willen, andere von ihren Ideen intellektuell überzeugt zu haben; sie sind gefühlvoll, großzügig und sensibel, aber Leidenschaft und Feuer gehören nicht zu diesem Archetyp, der sich mehr für die intellektuellen Aspekte seiner Beziehungen interessiert. Die Monotonie langweilt die Kinder Oxóssis, sie müssen immer stimuliert werden und diese Stimuli kommen aus Innovation und Veränderung, nur so schaffen sie es, interessiert zu bleiben und produktiv zu sein. Als unabhängige Denker fällt es ihnen schwer, andere Meinungen zu akzeptieren, und im Team zu arbeiten ist für sie ermüdend, wenn sie ständig Konflikte austragen müssen.

Sie sind immer bereit zu helfen, nehmen es aber nicht hin, dass man ihre Hilfe missbraucht oder sie ausnutzt. Die Kinder Oxóssis sind sehr gefühlsbetont und brauchen Liebe, aber wenn diese sich entwickelt und sie feststellen, dass ihre Freiheit leidet, ziehen sie sich erschrocken zurück; wenn allerdings intellektuelle Harmonie herrscht und sie sich frei fühlen, führen sie stabile Beziehungen. Wahrscheinlich war es ein Kind Oxóssis, das die Ehe bei Trennung von Tisch und Bett erfunden hat. Gleichzeitig sind sie sehr romantisch.

Die unabhängige Persönlichkeit des Kindes Oxóssis erfordert, dass es eine Ecke hat, in der es nichts und niemand stört; dort kommt es wieder ins Gleichgewicht und sein empfindliches Nervenkostüm kann sich wieder erholen. Es ist wie Quecksilber: es fließt dahin, es ist schwer, es stabil zu halten, bei Druck weicht es aus und teilt sich; es kann nur eingedämmt werden, mit Druck erreicht man nichts. Es fühlt sich hingezogen zur Schönheit, zum Optimismus, zur Intelligenz und zur guten Laune. Es schätzt es, wenn sein Partner andere Interessen hat als es selbst, es fühlt sich von den Erfahrungen, die ihm berichtet werden, bereichert; gemeinsame Herausforderungen faszinieren es, während ein steifer Mensch mit wenigen persönlichen Zielen es langweilt. Das Familienleben kann für die Kinder Oxóssis eine gute Basis sein, solange sie in ihren Ideen stimuliert und Meinungen frei geäußert werden; dann stärkt sie das Zusammenleben mit der Familie.

Die mystischen Dinge, der Okkultismus und das Esoterische ziehen sie an, ihnen ist eine karmische Beziehung möglich, denn sie sind auf allen Ebenen für diese Dinge offen und lernen daraus. Das Liebesleben ist ihnen nicht so wichtig wie den Kindern anderer Orixás. Aber sie sind sehr sexuell interessiert und spüren eine große Notwendigkeit, einen Partner zu haben.

Die Kinder Oxóssis haben viele Talente, lieben die ständige geistige Stimulation und sind bei allem, was sie tun, stets auf der Suche nach Neuem; diese Eigenschaften durchdringen ihr Berufsleben. Wenn sie ein Projekt am Laufen haben, verdoppeln sie ihre Aktivität noch einmal und sind in der Lage, viel Energie aufzuwenden, um es voranzutreiben. Die Erschöpfung, die dieses hohe Engagement für die Arbeit hervorruft, kann ihre sensiblen Nerven angreifen.

Die Kinder dieses Orixás müssen lernen, dass es für eine erfolgreiche Karriere notwendig ist, in ihrem Idealismus praktisch zu bleiben, und das finden sie manchmal schwer zu akzeptieren. Der Perfektionismus, die Detailverliebtheit und die Vorstellungskraft, die sie in ihre Arbeit investieren, machen sie zu den Besten ihres Faches. Monotone und bürokratische Aufgaben bedrücken sie, sie sind besser bei Arbeiten, bei denen sie Pläne machen und Veränderungen herbeiführen können. Sie treffen rasche Entscheidungen, schlagen sich gut in Krisensituationen, lassen sich aber von Kleinigkeiten ablenken.

Die Kinder Oxóssis sind nicht konservativ, sie haben viele Interessen, analysieren Themen nicht sehr lange, vielmehr gehen sie eher wie folgt vor: aufgrund eines einmal geweckten Interesses beobachten, eine eigene Meinung bilden und voranschreiten, immer hinter dem Neuen her. Sie können sich nicht lange genug mit einem Thema beschäftigen, um es in der Tiefe zu verstehen, sondern verstehen ein bisschen von allem. Sie mögen Gesellschaft, das gehört zu ihrem fröhlichen Temperament. Kinder lieben sie, weil sie ihnen viel Freiraum lassen und sie anregen, unterschiedliche Dinge zu machen, gleichzeitig sind sie aber nicht ganz streng genug. Sie sind nicht eifersüchtig und wollen auch nicht das Objekt der Eifersucht sein oder akzeptieren, dass ihre Freiheit darunter leidet. Manche Kinder Oxóssis mit emotionalen oder beruflichen Problemen erleben Zeiten der Depression, sie können Opfer von Intrigen werden und es kann Handlungen oder Worte geben, die falsch interpretiert werden.

Die Tochter Oxóssis ist eine Intellektuelle; ohne den Haushalt zu vernachlässigen, opfert sie ihm doch wenig Zeit und verbringt ihre Zeit lieber im Beruf oder unter Menschen. Ein Mann, der diese Frau heiratet, bekommt gleich mehrere Frauen gleichzeitig: sie kann immer wieder überraschen, ist kreativ, unterhaltsam, neugierig auf alles Neue, treu und hingebungsvoll, die Abwechslung ist ihre Stärke. Der körperliche Aspekt an der Beziehung ist der für sie am wenigsten interessante, sie nähert sich einem Mann, der sie geistig und spirituell anzieht. Sie zankt gerne, ist sehr launisch und im Streit sagt sie verletzende Dinge. Sie ist eine wunderbare Mutter. Sie lehrt ihre Kinder unabhängig zu sein, ist fantasievoll und liebevoll und organisiert für sie viele stimulierende Aktivitäten. Die Tochter Oxóssis geht nicht fremd, sie würde nie für ein Abenteuer Heim und Kinder riskieren.

Oxóssi ist der Jäger par excellence, aber seine Pirsch ist die Jagd nach Erkenntnis. Somit ist er der Wissenschaftler und Lehrer, der den geschwächten Geistern die Nahrung des Glaubens und des Wissens bringt.

Die Kinder Oxóssis zeigen die ihrem Orixá zugewiesenen Eigenschaften in archetypischer Weise. Sie repräsentieren den Menschen, der der ungezähmten Welt ihren Stempel aufdrückt, um zu überleben, ohne sie dabei zu verändern.

Körperlich neigen die Kinder Oxóssis dazu, relativ dünn zu sein und ein wenig nervös, aber sie haben sich unter Kontrolle. Sie sind groß und schlank und können sich somit leicht bewegen und auch Hindernisse umgehen. Ihr Gang ist leicht und elegant. Ihre Gegenwart wird immer bemerkt, auch wenn sie nichts dazu tun. Sie sind zurückhaltend und haben eine starke Bindung zur materiellen Welt, was aber nicht unbedingt Ehrgeiz nach sich zieht, und sie sind wankelmütig in der Liebe.

Psychologisch bedeutet dies eine starke Unabhängigkeit und extreme Fähigkeit zum Neuanfang, das Verlassen des Herdes und des Dorfes, um sich im Wald zu verlieren, kurz, um zu jagen. Für die Kinder Oxóssis bedeutet dies, dass sie ein großes Bedürfnis nach Unabhängigkeit und dem Lösen von Bindungen verspüren. Nichts schlimmer als ein Geräusch, das das Wild vertreibt, die Tiere auf die Nähe des Jägers aufmerksam macht. So tragen die Kinder Oxóssis unbewusst eine Neigung zum Schweigen, das Bedürfnis nach Stille und nach Beobachtung in sich, die ihrem Orixá so wichtig sind. Bei Verfolgung eines Ziels halten sie ihre Augen und Ohren weit offen.

Ihr Kampf entspringt der Notwendigkeit des Überlebens, nicht dem Wunsch nach Expansion und Eroberung. Es ist die Suche nach Nahrung, was man auch als den täglichen Kampf ums Überleben sehen kann. Dieser Orixá ist der Lenker jener, die nicht viel träumen, aber seine Gewalt ist kanalisiert und unterdrückt, um im genau richtigen Augenblick hervorzubrechen. Die Kinder Oxóssis sind im Wesentlichen reserviert und halten ihre Kommentare und Gefühle fast vollständig zurück und sind sehr diskret, wenn es um ihre eigene Laune oder Stimmung geht.

Deshalb fällen sie auch nicht gerne Urteile über andere, denn sie respektieren den individuellen Raum jedes Einzelnen als heilig. Sie suchen vor allem Arbeiten und Aufgaben, die unabhängig, ohne Hilfe oder Beteiligung vieler Leute, erledigt werden können, denn sie arbeiten nicht gerne im Team. Gleichzeitig haben sie ein großes Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein. Immerhin tragen sie die Last der Versorgung des Stammes.

Die Kinder Oxóssis übernehmen oft Verantwortung und es fällt ihnen meist leicht, die Ernährung ihrer Gruppe oder Familie sicherzustellen. Sie können väterlich sein, aber ihre Hilfe erfolgt meist fern von zu Hause und es werden nur die Nahrungsmittel nach Hause gebracht, oder aber die Kinder Oxóssis arbeiten, damit sie gekauft werden können. Der enge Kontakt mit jedem Familienmitglied liegt ihnen aber fern. Es verwundert nicht, dass jemand, der Oxóssi als Orixá im Kopf hat, kämpfen muss, um eine Ehe oder auch nur eine stabile emotionale Bindung aufrecht zu erhalten. Dabei ziehen sie ähnlich unabhängige Menschen vor, denn ihre Vorstellung von einem Paar ist die einer vorübergehenden Partnerschaft zweier Individuen, die nie eins werden. Die Kinder Oxóssis teilen den Geschmack an der Kameraderie, am nicht enden wollenden Gespräch, an den lautstarken und meist fröhlichen Zusammenkünften. Allerdings ist das ein Faktor, der durch den zweiten Orixá radikal verändert werden kann.

Sie leben gerne alleine und möchten am liebsten auch von kleineren Freundesgruppen besucht werden. Die Kinder Oxóssis lieben die Einsamkeit, sie isolieren sich, liegen auf der Lauer und beobachten alles, was sich um sie herum tut, genau. Es ist also die Art Mensch, die gut mit der materiellen Welt zurechtkommt, wenig träumt und mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht. Es sind Menschen, die voller Initiative stecken und immer dabei sind, Neues zu entdecken oder zu tun. Sie sind verantwortungsbewusst und haben Familiensinn. Sie sind großzügig, gastfreundlich und lieben die Ordnung, aber sie ziehen sehr gerne um und suchen sich neue Einkommensquellen, was manchmal zu Lasten eines harmonischen und ruhigen Familienlebens gehen kann.

Die Kinder Oxóssis haben Stil und sind bemerkenswert gutaussehend. Oxóssi ist der Orixá der intellektuellen Künstler. Sie haben viele Ticks, sind wankelmütig in ihren Liebesbeziehungen, sehr empfindsam und gelten als „kompliziert“. Sie sind Einzelgänger, mysteriös, diskret und introvertiert. Sie gewöhnen sich nicht so leicht an das Leben in der Stadt und sind im Allgemeinen eher Pioniere. Sie verfügen über enorme Sensibilität, künstlerische Qualitäten, Kreativität und einen erlesenen Geschmack. Psychisch sind sie sehr emotional und romantisch.

Die Kinder Oxóssis sind scheinbar ruhige Menschen, die denselben Gesichtsausdruck haben können ob sie nun fröhlich sind oder verdrossen; sie zeigen ihre Gefühle nicht, sind aber keineswegs unsensibel, sie behalten einfach ihre Gefühle lieber für sich.

Sie sind Menschen, die arrogant oder erdrückend erscheinen können, und manchmal sind sie es auch. In Wirklichkeit sind die Kinder Oxóssis misstrauisch, vorsichtig, intelligent und aufmerksam; sie suchen sich ihre Freunde gut aus, denn sie finden es sehr schwer, Menschen zu trauen. Obwohl sie kein Vertrauen haben, sind sie in höchstem Maße vertrauenswürdig; man muss bei ihnen keine Untreue befürchten, denn sie sind unfähig, selbst ihre Feinde zu betrügen. Sie sind auch durch Kleinigkeiten schnell verletzt und wenn sie eine Freundschaft beenden, dann für immer.

Sie sind die Art Mensch, die sich Ratschläge anhört, die Meinung anderer respektiert, aber dennoch immer das tut, was sie selbst für richtig hält. Mit Strategie setzen sie ihre Meinung durch und machen es gleichzeitig allen recht.

Vor allem sind es Menschen, die das Leben lieben und danach streben, es so intensiv zu leben, wie es nur geht. Oft versuchen sie für sich und auch für ihre Begleiter Augenblicke des Abenteuers, der Flucht zu ermöglichen, um so dem Einerlei zu entkommen, denn sie ertragen keine Routine. Sie sind großartige Schüler, denn sie lernen auf unterschiedliche Weise – einfach durch Zuhören, durch Beobachtung oder durch Intuition. Sie sind auch hervorragende Lehrer. Aber man muss wissen, wie man ihnen ihre Lehre entlockt, denn sie sind instinktive Menschen, leben im Augenblick und bleiben nie stehen. Eine interessante Angewohnheit der Kinder der Odés, der Jäger, ist es, mehr zu beobachten als sie beobachtet werden und so zu handeln, als lägen sie auf der Lauer.

Sie sind sensibel, gefühlsbetont, zeigen aber diese Gefühle nicht, denn sie fürchten, die Kontrolle über die Lage zu verlieren, wenn sie sich verletzlich fühlen. Sie sind echte Freunde, meist großzügig, und die Bedürftigen finden in ihnen immer einen sicheren Hafen. Sie versuchen, Probleme mit Ruhe und Gelassenheit anzugehen; gelingt ihnen das aber nicht, verwandeln sie sich in unglaublicher Weise und werden so wütend, wie das ihrer Position, ihrem Charakter und selbst ihrer Laune gar nicht entspricht. Genauso schnell, wie sie in Rage geraten, kehren sie aber zu ihrer vorherigen Laune zurück, als wäre nichts geschehen.

Die Kinder Oxóssis setzen sich gerne für Freunde und Familie ein, auch wenn diese mehr von ihnen verlangen, als sie bieten können. Sie haben einen starken Schutzinstinkt und Verantwortungssinn für ihre Familienmitglieder, zögern aber nicht, ihren Lebensstil plötzlich zu verändern. Die Kinder Oxóssis haben eine Eigenschaft, die schon sprichwörtlich ist: „Niemand kann ein Kind Oxóssis festhalten oder beherrschen“. Sie sind Kämpfer, die sich im Allgemeinen aufgrund ihrer eigenen Arbeit weiterentwickeln. Sie zeichnen sich aus durch Raffinesse, Feingeist und Eleganz, aber alles ohne viel Luxus. Sie mögen keine pompösen oder vulgären Dinge. Eine Sache müssen die Kinder dieses Orixás unbedingt zu meiden suchen: die Sucht, gleich welcher Art. Oxóssi sieht sie nicht gerne und toleriert sie nicht.

footer logo