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OMOLU

ALLGEMEINE BESCHREIBUNG

Obaluaiyê, Obaluwaye, Omolu, oder Xapanã ist der Orixá der Pocken und der ansteckenden Krankheiten. Er ist symbolisch verbunden mit der Welt der Toten. Obaluàyé ist ein Wort aus dem Yorubá und bedeutet „König und Herr der Erde“: Oba (König) + Aiye (Erde). Er ist auch bekannt als Babá Igbona = Vater der Hitze. Eine andere Strömung definiert ihn als: Obàluáyê: Obá – ilu; aiye; König, Herr des Lebens auf Erden; Omolu; Omo-ilu; König, Herr des Lebens. Obaluaye wird im Merindilogun dargestellt durch die Odus Irosun, Ossá, Êjilobon und im Candomblé körperlich und immateriell durch den als Igba Obaluaye bezeichneten heiligen Schrein. Er gilt als die Energie, die Krankheiten wie Pocken, Masern, Windpocken und andere Hautkrankheiten beherrscht. Er repräsentiert den Kontaktpunkt zwischen dem (körperlichen) Menschen und der Welt (Erde), die Schnittstelle Haut/Luft. Sein positiver Aspekt ist, dass er – über Tod und Wiedergeburt – die Heilung beherrscht.

Dieser Orixá stammt ursprünglich aus Daomé. Er ist ein finstrer Orixá, der bei den Yorubá als streng und schrecklich gilt, wenn man ihn nicht genug verehrt, aber als gütiger und brüderlicher Vater für jene, die sich durch demütige, ehrliche und treue Gesten als würdig erwiesen haben. Nanã ergießt die Geister, die wiedergeboren werden sollen, und Obaluaiê schafft das energetische Band, das den Geist mit dem Körper verbindet (Fötus), der in der mütterlichen Gebärmutter aufgenommen wird, sobald er die minimale Zellentwicklung erreicht hat (körperliche Organe). Wenn man sich auf diese Figur bezieht, tauchen beide Namen auf, sowohl Omulu als auch Obaluaiê. Für die meisten Anhänger des Candomblé und der Umbanda sind die Namen praktisch austauschbar und beziehen sich auf denselben Archetyp und somit auf dieselbe Gottheit. Genau genommen ist Obaluaiê die jugendliche Form des Orixá Xapanã, während Omulu seine alte Form ist. Da aber Xapanã im Candomblé wie auch in der Umbanda ein verbotener Name ist, den man nicht aussprechen darf, weil er unerwartete Krankheit heraufbeschwören kann, hört man Obaluaiê am häufigsten. Diese Unterscheidung ähnelt der, die es für die Grundformen Oxalás gibt: Oxalá (der Gekreuzigte), Oxaguiã, die jugendliche Form und Oxalufã, die ältere Form.

Wie man sieht, sind bis hierher die Namen Omolu und Obaluaiê unterschiedslos zur Bezeichnung dieses großen Orixá der Epidemien verwendet worden, was auch völlig richtig ist. Obaluaiê bedeutet „König Besitzer der Erde“ und Omolu „Sohn des Herrn“, wobei mit „Herr“ der Vater Omolus gemeint ist. Analysiert man jedes Wort des Namens dieses Orixás, so wird die Sache klarer:

Obaluaiê = Obá + Olu + Aiyé
Omolu = Omo + Olu

 

Somit ist Omolu tatsächlich der Sohn des Herrn, allerdings des Herrn Obaluaiê. Das sind nur zwei Manifestationen desselben Orixá, aber oft werden die Dinge hier durcheinandergebracht und Omolu als der Vater und Obaluaiê als der Sohn bezeichnet, ein Irrtum, der sich im Laufe der Jahre eingeschlichen hat. Um aber die Lektüre zu erleichtern, werden die beiden Namen hier weiterhin unterschiedslos verwendet.

Omolu wird als der Orixá verehrt, der auf dem Friedhof wohnt und für die Trage der Toten zuständig ist. Er löst den ätherischen von dem physischen Körper. Nach der Mythologie der Yorubá ist Obaluayê der Sohn von Nanã und Oxalá und wurde am ganzen Körper über und über mit Wunden und Malen bedeckt geboren; das war das Zeichen dafür, dass sie einen Fehler gemacht hatten, denn Nanã hatte Oxalá verführt, obwohl sie wusste, dass er nicht zu haben war, weil er mit Yemanjá verheiratet war.

Als sie ihren hässlichen und unförmigen, von Pocken übersäten Sohn sah, brachte Nanã ihn an den Strand und überließ ihn seinem Schicksal, damit die Flut ihn mitreißen konnte. Yemanjá fand ihn halbtot und von Krabben angefressen. Mit viel Mühe gelang es ihr, ihn wieder gesund zu pflegen. Doch Obaluaiê trug am ganzen Körper Narben davon, die so hässlich waren, dass er sich vollständig mit Stroh bedecken musste. Von Obaluaiê sah man nie mehr als Arme und Beine, denn die waren nicht betroffen. Von Yemanjá und Oxalá lernte er, wie man diese schweren Krankheiten heilen kann. Und so wuchs Obaluaiê auf, stets in Stroh gehüllt, vor den Menschen versteckt, verschlossen und in sich gekehrt, ernst, ja übellaunig.

Eines Tages, als er durch die Gegend zog, wurde er hungrig und bat die Menschen eines Dorfes, durch das er kam, um etwas zu essen und zu trinken. Aber die Menschen erschraken ob dieses von Kopf bis Fuß mit Stroh verhüllten Mannes und jagten ihn aus dem Dorf, ohne ihm etwas zu geben. Das machte Obaluaiê traurig und bekümmert. Er verließ das bewohnte Gebiet und zog weiter durch die Umgebung und beobachtete die Menschen. Während dieser Zeit wurden die Tage heißer, die Sonne verbrannte die Pflanzungen, die Frauen blieben steril, die Kinder waren von Pocken übersät und die Männer krank. Die Menschen glaubten, dass der von Stroh bedeckte Fremde das Land verflucht hatte und flehten ihn um Vergebung an und baten ihn, erneut seinen Fuß auf das trockene Land zu setzen.

Noch immer hungrig und durstig, erfüllte Obaluaiê den Wunsch der Dorfbewohner und betrat erneut ihr Dorf, und sorgte dafür, dass all das Übel ein Ende nahm. Daraufhin gaben die Menschen ihm zu essen und zu trinken und erwiesen ihm viele Ehren. Damals trug Obaluaiê ihnen auf, niemals einem Menschen Nahrung und Wasser zu verweigern, egal wie er auch aussehen möge. Und ging seines Weges.

Als er nach Hause kam, war ein gewaltiges Fest der Orixás im Gange. Da er sich nicht wohl fühlte bei dem Gedanken, mit Stroh bedeckt auf ein Fest zu gehen, beobachtete er es durch die Ritzen im Haus. In diesem Augenblick entdeckte ihn Iansã, die Göttin der Winde. Mit ihren Winden hob sie das Stroh an, damit alle den schönen, nun makellosen Mann sehen konnten, der sich darunter verbarg, stark, voller Energie und Männlichkeit. Und sie tanzte mit ihm in die Nacht hinein. Von jenem Tag an taten sich Obaluaiê und Iansã zusammen gegen die Macht des Todes, der Krankheiten und der Geister der Toten, und verhindern seither, dass es zu Unglücken unter den Menschen kommt.

Er ist einer der gefürchtetsten Orixás, denn er herrscht über die Krankheit und somit auch über die Gesundheit. Genau wie seine Mutter Nanã hat er eine enge Beziehung zum Tod. Er verhüllt Kopf und Körper mit Raphiastroh – in einigen Legenden, um seine Pockennarben zu verbergen, in anderen ist er schon geheilt und kann nicht direkt angesehen werden, weil er der Sonnenschein selbst ist. Sein Symbol ist das Xaxará – ein mit Caurimuscheln geschmücktes Bündel Palmzweige.

Die Figur Omulu/Obaluaiê und ihre Mythen sind von unergründbaren Geheimnissen und Dogmen umwittert. Allgemein gesagt wird dieser Figur die Kontrolle über sämtliche Krankheiten, vor allem den Epidemien, zugeschrieben. Zur grundlegenden Essenz und Schwingung dieses Orixá gehört sowohl die Macht, Krankheiten zu verursachen, als auch die Möglichkeit, das von ihm verursachte Übel wieder zu heilen.

Omulu/Obaluaiê, düster und schwer wie Iroco und Oxumarê (seine Brüder) und Nanã (seine Mutter), ist eine Gestalt aus der Kultur der Jêje, die später von den Yorubá assimiliert wurde. Während die Orixás der Yorubá extrovertiert sind und leidenschaftlich, fröhlich, menschlich und voller kleiner Fehler, die sie den Menschen näher bringen, entspringen die Götter Daomés einer religiösen Weltsicht, bei der die Götter viel weiter von den Menschen entfernt sind. Wenn es zu einer Annäherung kommt, gibt es Grund, sich zu fürchten: Es wird zu irgendeiner Tragödie kommen, denn mythologisch haben die Orixás Daomés ein strenges Verhalten, sie sind würdig und in ihren Drohungen konsequent.

Die Sicht Omulus/Obaluaiês ist die der Bestrafung. Wenn ein Mensch ihn enttäuscht oder eines seiner Heiligenkinder bedroht wird, bestraft dieser Orixá gewalttätig und entschlossen und es ist schwer, zu verhandeln oder ihn zu besänftigen, was bei den Orixás der Yorubá eher wahrscheinlich wäre. Die Kultur Daomés ist viel älter als die der Yorubá, was man an ihren Mythen erkennen kann: Das große Alter der Kulte um Omulu/Obaluaiê und Nanã (weibliche Orixá), die in manchen Teilen Afrikas oft durcheinander gebracht werden, zeigt sich an einem Detail beim Ritual der Tieropfer, die ihnen dargebracht werden. Dieses Ritual wird ohne Eisenwerkzeuge durchgeführt, was darauf hindeutet, dass diese beiden Gottheiten zu einer Zivilisation gehörten, die schon vor der Eisenzeit und der Ankunft Ogums bestand.

Er ist eine Gottheit der harten, trockenen und heißen Erde. Gelegentlich wird er „der Alte“ genannt, mit all dem Prestige und Einfluss, den das Alter im Candomblé repräsentiert. Er ist mit der Sonne verbunden, ermöglicht die Ernten und beherrscht gleichzeitig Krankheit und Heilung. Mit seinem Xaxará, dem rituellen Zepter aus Raphiastroh, vertreibt er Pest und Leiden. Aber Krankheit kann auch ein Zeichen für die Erwählten sein, die Omulu dienen sollen. Wenn jemand die Pocken hatte, wird er oft Omulu geweiht, der als „Arzt der Armen“ bezeichnet wird.

Seine Beziehungen zu den anderen Orixás sind gekennzeichnet durch die Streitigkeiten mit Xangô und Ogum und die Vernachlässigung durch die weiblichen Orixás. Zuerst von der eigenen Mutter zurückgewiesen wird er später von Oxum verlassen, in die er sich verliebt hatte, die ihn aber – zusammen mit Iansã – gegen Xangô eintauscht. Schließlich wurde auch noch Obá, die er geheiratet hatte, von Xangô geraubt.

Omolu befehligt unzählige Legionen von Geistern, die in dieser Ausstrahlung oder Linie handeln, Arbeiter des großen Raumlabors und wahre Wissenschaftler, Ärzte, Krankenpfleger etc., die die Geister für eine weitere Inkarnation vorbereiten und die Heilung unserer Krankheiten vorantreiben. Sie arbeiten auch in der physischen Welt bei den Ärzten und Krankenpflegern: Sie bringen die notwendigen Balsame, um die Schmerzen der Leidenden zu mindern.

Omulu ist die Erde. Diese Feststellung fasst perfekt das Profil dieses Orixá zusammen, des am meisten gefürchteten unter allen afrikanischen Göttern, der schreckliche Orixá der Pocken und aller ansteckenden Krankheiten, der mächtige „König und Herr der Erde“. Es muss jedoch klargestellt werden, dass Omolú mit dem Vorläufer der Erde (ninù ilé) verbunden ist, was eine sehr enge Beziehung zum Feuer bedeutet, denn dieses Element beherrscht, wie Vulkanausbrüche zeigen, die tieferen Schichten der Erde. Alle Überlegungen im Zusammenhang mit Omolu haben ihn als Orixá in Verbindung mit der Erde gezeichnet, was auch richtig ist. Allerdings wäre es ein Fehler, sein Verhältnis zum Feuer im Inneren der Erde, mit der vulkanischen Lava, den Gasen usw. zu vernachlässigen. Die von Omolu verbreiteten Epidemien, Fieber und Verwerfungen entsprechen dem Element Feuer.

Omolu ist auch bekannt als Ilé Igbona, „Herr der heißen Erde“ oder als Babá Igbona, „Vater der Hitze“, der über die Hitze alle Manifestationen des Lebens auf der Erde ermöglicht: das Leben der Menschen, Tiere und Pflanzen. Ein weiterer seiner Namen ist Olodê, der „Herr des Äußeren“, jener, der sowohl in dem Augenblick im Freien ist, an dem die Sonne ihren Scheitelpunkt erreicht – am Mittag – als auch zu der Stunde, die als die kalte Stunde gilt –um Mitternacht, dem Zeitpunkt, der den mächtigsten und gefährlichsten Göttern gehört. So herrscht Obaluaiê zu der Zeit, zu der die Hitze am größten ist, wenn die Temperatur auf der Erde und im Boden am extremsten ist – daher das Verbot für die Menschen, sich zu diesem Zeitpunkt der Sonne auszusetzen. Und so entsteht auch die Interpretation, dass Obaluaiê die Sonne selbst ist, die die Erde mit der lebensspendenden Wärme versorgt. Gelegentlich nutzt er diese Macht jedoch als Form der Strafe oder Sühne. Das passiert, wenn der Mensch ihm missfällt und Brandrodungen durchführt oder Wälder abholzt und so die Umwelt aus dem Gleichgewicht bringt und das atmosphärische Thermometer stört. Als Konsequenz wird alles zerstört, was die Erde als Schutz hat, um sich vor den Sonnenstrahlen zu retten. In dieser Situation ruft Obaluaiê Ungleichgewichte hervor, Zerstörung, Klimaänderungen, die den Menschen nötigen, die Art und Weise zu überdenken, wie er die „Mutter Erde“ hütet.

Wegen seiner Beziehung zur Hitze wird er auch mit dem Fieber der Menschen in Verbindung gebracht. Fieber ist meist ein Symptom für eine Krankheit, ob körperlich, geistig oder emotional, und Obaluaiê beherrscht die Auswirkungen wie auch die Heilung der Krankheiten. Er bringt das Siechtum und seine Linderung und gar Überwindung, denn er besitzt das Wissen über die Heilverfahren, die die Krankheiten besiegen. Auch der Schweiß gehorcht ihm, welcher ein Symptom ist, das anzeigt, dass ein Fieber sinkt. Auch beherrscht er den Schweiß, der von der Sonnenhitze auf der Haut hervorgerufen wird, wie auch den Schweiß der physischen Verzehrung eines geschwächten Körpers.

Obaluaiê sorgt sowohl für das Innere des menschlichen Körpers und hilft bei der Behandlung der innenliegenden Körperteile, als auch für den äußeren Teil, die Haut: er ist eng verbunden mit Juckreizen, Allergien und Verbrennungen. Darüber hinaus beherrscht er auch die Nervenstörungen und mentalen Probleme: er verursacht Angstzustände und Depressionen, beides Elemente, die die Funktion des Organismus beeinflussen und so zu einem Teufelskreis der Krankheit führen. Keine andere Gottheit steht in so enger Beziehung zum menschlichen Körper wie Obaluaiê. Da er sich so sehr um die Gesundheit und den Körper des Menschen kümmert, gilt er als sehr barmherzige Gottheit.

Unter seiner Schirmherrschaft entwickeln sich Wissenschaftler und Gelehrte. Ihnen hilft Obaluaiê bei ihren Entdeckungen und bei der Formulierung neuer Arzneimittel, die die Heilung oder Linderung von Krankheiten und Epidemien ermöglichen. Zwar bringt er die Krankheit, aber er bringt auch die Heilung, oder er lehrt uns, wie wir der Krankheit vorbeugen können.

Als Darstellung der Epidemien und der ausbrechenden Krankheiten wie Windpocken, Pocken, Masern usw. dient das Popcorn (Doburu/Guguru), das ihm als Opfer dargebracht wird. Das Aufplatzen des heißen Maises symbolisiert die Ausbrüche von Krankheiten im menschlichen Körper. Hier fand der Mensch einen Weg, diesem Orixá zu zeigen, dass sein Leid geteilt wird, aber dass man sich auch seiner Macht bedient, um sich von Leiden zu befreien, ebenso wie er die Liebe und Hingabe Yemanjás hatte.

Mit dem strohbedeckten Körper und seiner düsteren, ernsten und zurückgezogenen Art flößt Obaluaiê schon ein wenig Schrecken und Ehrfurcht ein. Selbst gegenüber Yemanjá, die er liebt, respektiert und verehrt, verhält er sich eigenbrötlerisch und zurückhaltend. Doch er lässt nicht zu, dass der Mensch Mitleid mit ihm hat. Sein Leid endete in dem Augenblick, in dem seine Wunden geheilt und vernarbt waren. Er ist mächtig, sehr vorsichtig und geduldig und versucht jenen zu helfen, die sich ihm nähern, aber er duldet unter keinen Umständen, dass seine Gesetze und Verbote missachtet werden: dann wird er gewalttätig und furchteinflößend.

Alle Stoffe, die Inneres schützen – ob das Innere des Menschen oder ein abstraktes Inneres – gehören Obaluaiê. Beispiele hierfür sind: die Haut, die unsere Organe bedeckt und schützt; der Lehm, der Gefäße hervorbringt, die die Nahrungsmittel schützen; das Stroh (Ikô), das unseren Körper vor direktem Kontakt mit dem Boden schützt, sowie die damit hergestellten Objekte wie Teppiche, Matten usw (daher kommt noch ein weiterer seiner Titel, „Herr der Weberei“). Selbst seine Kleidung ist aus Raphiastroh hergestellt und trägt den Namen Axó Icó (Asó Ikò). Diese Kleidung besteht aus einer Art geflochtenem Hut namens Filá, der bis auf die Schultern fällt und sein Gesicht und einen Teil des Rückens bedeckt, und einem kleinen Rock, ebenfalls aus Raphiastroh, der die Bekleidung vervollständigt.

Obaluaiê steht in Verbindung mit den Bäumen, Symbolen für die Geburt/Wiedergeburt, die sich ständig erneuern und einen ständigen Zyklus des Lebens und der Fruchtbarkeit hervorbringen. Über sie verbindet sich Obaluaiê mit der weiblichen Macht. Durch diese Verbindung assoziiert er sich mit den Iyamís und der Farbe Rot, die das Blut und die Schwangerschaft repräsentiert, ein weibliches Phänomen, das die Erneuerung der Erde ermöglicht.

Man erzählt viel über den Streit zwischen Obaluaiê und Xangô, die zu Gegnern wurden. Was es wirklich gibt, sind Unterschiede: Während Xangô das Leben repräsentiert, die Hitze und das Feuer, steht Obaluaiê für die Kälte des Todes, die Empfindlichkeit und Hinfälligkeit des Körpers durch Krankheit. Aber er ist auch der Herr der heißen Erde, der Gluthitze. Das sind gegensätzliche Eigenschaften in einer einzigen Gottheit: Er verursacht die Hitze des Fiebers, bringt aber auch die Kühle, die es lindert und beruhigt. Somit kann man sagen, dass es keine Rivalität zwischen den beiden gibt; vielmehr gibt es verschiedene Interpretationen unterschiedlicher Legenden. Das zeigt sich im Gebrauch der Frucht Orogbo, die zuvor ausschließlich Obaluaiê vorbehalten war und der sie auch immer noch isst, der sie aber auch Xangô zugänglich gemacht hat, damit sie ihn repräsentieren kann, denn sie gehört zu den heißen Elementen.

Obaluaiê ist der Herr der Caurimuscheln und somit der Schutzherr des Orakels Merindilogun. Deshalb muss jeder Priester, der die Merindilogun wirft (Babalorixás und Ialorixás), diesen Orixá anrufen. Man hat sich daran gewöhnt, in Omolu den Orixá der Ansteckungskrankheiten, der Epidemien und der durch sie verursachten Schmerzen und Gebrechen zu sehen. Dabei vergisst man, dass Obaluaiê der Orixá des Reichtums ist, der auf Geld schläft und seine Perlen in Krügen aufbewahrt, der Gott der Fülle, der jedes Jahr das Bankett Olúgbajè ausrichtet und die übrigen Orixás ehrt.

Omolu hat viele Manifestationen. Tatsächlich wurden mehrere afrikanische Götter mit vergleichbaren Eigenschaften zu einem einzigen Orixá zusammengeführt und dann in unterschiedliche Manifestationen aufgespalten, darunter: Sakapatá, der eine mit einem Pferdeschwanz geschmückte Lanze trägt; Jagum, der Krieger; Akarejebe; Iji; Sapatái; Jambelé; Azauani und andere mehr.

 

EIGENSCHAFTEN DER KINDER

Viele sehen im göttlichen Obaluaiê nur den Orixá der Heilung, was er in der Tat ist, denn er heilt wirklich. Aber Obaluaiê ist viel mehr als nur das. Er ist der „Herr des Übergangs“ von einer Ebene auf die andere, von einer Dimension in die andere, ja selbst des Geistes auf das Fleisch und umgekehrt.

Zum Herrn der Krankheit gehört psychologisch ein Archetyp, der sich aus seiner Haltung beim Tanz ableitet: Wenn Omulu/Obaluaiê vor den Zuschauern seine Flammen verbirgt, so verbirgt er auch über das in seiner Haltung implizite Leid das Unglück, das ihn erdrückt. Im täglichen Verhalten zeigt sich diese Tendenz in einem oft masochistischen Charakter. Archetypisch gibt er seinen Kindern Tendenzen zum Masochismus oder zur Selbstbestrafung mit, einen strengen Verhaltenskodex und mögliche Probleme mit den unteren Extremitäten im Allgemeinen oder andere kleinere Gebrechen.

Die Kinder Omulus sind unfähig, zufrieden zu sein, wenn das Leben für sie in ruhigen Bahnen verläuft. Sie können sogar materiell erfolgreich sein und eines schönen Tages aus irgendwelchen eingebildeten Skrupeln all dem entsagen. Es sind Menschen, die in bestimmten Fällen in der Lage sind, sich dem Wohlergehen anderer zu widmen und dabei ihre eigenen Interessen und Lebensnotwendigkeiten völlig zu vernachlässigen.

Das stärkste Zeichen für Omulu/Obaluaiê ist nicht die Zurschaustellung seines Leids, sondern es ist, mit diesem Leid zu leben. Es manifestiert sich in einer sehr starken Neigung zu Selbstbestrafung, die sich sowohl in einer großen Fähigkeit zur Somatisierung psychischer Probleme zeigen kann (also der Verwandlung emotionaler Traumata in echte körperliche Krankheiten) als auch in strengen moralischen Vorstellungen, die seine Kinder vom Alltag entfernen und von anderen Menschen, vor Allem aber vom Vergnügen. Seine Grundunzufriedenheit richtet sich also nicht nur gegen das Leben, sondern auch gegen sich selbst, nachdem er ja schon durch die Zeichen seiner Krankheit stigmatisiert ist, in sich selbst schon eine Strafe.

Ein anderer, weniger negativer Ausdruck seines Archetyps als Kind dieses Orixá kann sein, sich der materiellen Welt mit Gier zu nähern, so als wären alle gegen es gerichtet, als wären ihm alle Reichtümer versagt, was zu einer obsessiven Jagd nach Geld und sozialem Aufstieg führen kann.

Und doch ist ein Hauch des Leidens und der Selbstbestrafung Omulus/Obaluaiês in den Ehen seiner Kinder sichtbar: Nicht selten verlieben sie sich in extrovertierte und sinnliche Menschen (wie die unbändige Iansã, die alles umfassende Oxum, den kriegerischen Ogum), die von Natur aus die Bühne für sich haben und ihrem Ehepartner eine diskretere Rolle zuweisen. Sie sehen es gerne, wenn ihr Liebling strahlt, aber sie beneiden ihn und leben ihr Leben sehr unsicher, denn sie halten den anderen für das Ziel der Leidenschaft und des Interesses aller.

Genau wie Ossaim sind Menschen dieses Typs im Grunde genommen einsam. Selbst mit einem großen Freundeskreis und viel Umgang mit anderen Menschen ist ihr Verhalten nur auf der Oberfläche offen, während sie sich tief drinnen vor der Welt verschließen und ihre wirklichen Gefühle für sich behalten. Das Kind dieses Orixás verbirgt seine Individualität hinter einer Maske der Härte und hat sogar eine Aura des Respekts und der Ehrfurcht, einer gewissen Angst vor den anderen. Wenn man die offensichtlich riesige Erfahrung eines alten Orixá bedenkt, ist das schon etwas ironisch. Seine Kommentare sind aber nicht weitschweifig und oberflächlich, sondern trocken und direkt, was zu seinem Selbstbild eines unheimlichen Menschen beiträgt. Gleichzeitig kann es aber auch bescheiden, sympathisch und barmherzig sein. So kommt es, dass dieser Orixá in der Umbanda die Persönlichkeit der Barmherzigkeit bei der Heilung der Krankheiten annimmt und als der „Orixá der Gesundheit“ gilt.

Der psychologische Typ des Kindes Omulus ist verschlossen, ungeschickt, rustikal, ohne Eleganz oder Charme. Es kann von Pocken gezeichnet sein oder von einer Hautkrankheit und ist oft ein Hypochonder. Es hat aber große Widerstandskraft und kann anhaltende Anstrengungen durchhalten.

Meist sind die Kinder Omolus Pessimisten mit selbstzerstörerischen Tendenzen, die ihr Leben belasten. Sie sind bitter und melancholisch und werden zu Einzelgängern. Wenn sie sich aber ihre Ziele gesetzt haben, kämpfen sie sich beharrlich durch, um sie zu erreichen. Wenn sie desillusioniert werden, unterdrücken sie ihre Ziele und leben in Demut, selbstauferlegter Armut und Kasteiung.

Sie sind langsam, aber beharrlich. Felsenfest. Es mangelt ihnen an Spontaneität und Anpassungsfähigkeit, weshalb sie keine Änderungen hinnehmen. Wenn sie beleidigt oder erniedrigt werden, sind sie oft rachsüchtig, grausam und unbarmherzig.

Im Wesentlichen viril, weil Obaluaiê im Grunde ein männlicher Orixá ist, fehlt ihnen ein Hauch von Verführungskraft und es bleibt ihnen nur die brutale Einsamkeit. Mit Nanã scheint es ganz ähnlich zu sein: Je mächtiger und akzentuierter ihre Weiblichkeit, desto gefährlicher wird sie und verliert damit paradoxerweise ihre Verführungskraft.

Die Kinder Obaluaiês scheinen älter zu sein, als sie sind, weil ihr Orixá älter ist, und sie verhalten sich so, als wären sie schon fortgeschrittenen Alters. Sie sind warmherzig, beschweren sich aber viel und sie sind mürrisch und ein wenig übellaunig. Wenn sie Lust auf etwas haben, tun sie es einfach und helfen ausnahmslos allen. Sie haben viele gesundheitliche Probleme, die sich über Jahre hinziehen, meist schon von Kindheit oder sogar Geburt an. Sie sind treu, hingebungsvoll, und echte Freunde. Sie neigen zu Vorahnungen und schon als Kinder denken sie wie Erwachsene, was ihnen hilft, sich nicht wie Kinder zu verhalten, und sie davon abhält, verantwortungslos zu sein. Sie lieben Ordnung und Disziplin.

Sie bringen keine Probleme mit nach Hause und reden nicht hinter dem Rücken der Menschen über sie. Sie hassen Getratsche und ähnliche Obszönitäten. Die Kinder Obaluaiês sind ironisch, trocken und direkt. Die Nachkommen dieses Orixás sind sehr unabhängig und spüren die Notwendigkeit, aus eigener Kraft zu wachsen. Aufgrund des Einflusses ihres Orixá, der die Eguns befehligt, können viele dieser Menschen übernatürliche Erfahrungen haben, wie Visionen, Träume usw.

Die Kinder Omolús sind oft pessimistische und sture Personen, die ihr Leid gern zur Schau stellen, die Art Mensch, die immer den längsten und schwierigsten Weg zur Erreichung eines Ziels sucht. Sie sind deprimiert und depressiv und können damit auch noch die optimistischsten Menschen entmutigen. Sie glauben immer, dass nichts klappen wird, dass nichts gut ist. Manchmal sind sie süß, aber meist haben sie Ticks wie alte Menschen, z.B. Wehleidigkeit.

Sie lieben die Ordnung, es gefällt ihnen, wenn Dinge so verlaufen, wie sie es geplant hatten. Unverschämtheiten nehmen sie nicht hin und wenn sie sich beleidigt fühlen, regieren sie sofort, egal wem gegenüber. Sie glauben, dass nur sie leiden, dass niemand sie versteht. Sie haben keine großen Ambitionen.

Sie können Hautkrankheiten aufweisen, Male im Gesicht, Schmerzen und andere Probleme an den Beinen. Es sind Menschen ohne Glanz oder große Schönheit. Sie sind böse und lieben es, andere zu ärgern; sie sind langsam, anspruchsvoll und beschweren sich über alles.

Oft sind sie verklemmt, bitter und rachsüchtig. Es ist schwer, mit ihnen eine Beziehung aufzubauen. Es scheint, als hätten die Kinder Omolús viele Fehler und wenige Qualitäten, aber das stimmt nicht ganz, und eine ihrer Qualitäten kann jeglichen Fehler gutmachen: Sie sind extrem hilfreich und arbeitsam. Sie sind echte Freunde.

Die positive Seite der Kinder Omolús macht die selbstzerstörerische Seite, die sie alle in größerem oder kleinerem Maße haben, bei weitem wieder wett: Sie sind außerordentlich fröhlich, ausdauernd, geduldig und liebevoll, ziehen sich aus, um einem anderen zu gefallen, nutzen Geld, um sich zu vergnügen und ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Sie sind einer Sache extrem treu. Gerechtigkeit ist für die Kinder Omolús nicht die Gerechtigkeit der Menschen, sondern die Gerechtigkeit Gottes (Olorun). Sie sind extrem sauber und eitel. Im Gegensatz zu vielen anderen Archetypen sind sie meist schön, wenn nicht im Körper, so im Geiste. Die Anziehungskraft, die sie auf andere ausüben, ist ihnen sehr wichtig. Ihre geistigen Fähigkeiten entsprechen den Anforderungen ihrer Zeit.

Omolú-Menschen neigen zu wirklicher Veränderung, um das zu erreichen, was sie wollen. Sie scheinen die ganze Zeit Opanijé zu tanzen und stets auf der Suche zu sein. Als unermüdliche Arbeiter bestellen die Kinder Omolús jeden Acker. Man darf ihnen bloß nicht wehtun oder sie gleichgültig behandeln; sie sind eifersüchtig und neigen zur Übertreibung, fühlen sich unverstanden und oft weiß man nicht, was plötzliche Anfälle von Depression auslöst. Die Kinder Omolús sind die Kinder der Sonne und der Erde eines lebenden Orixá und wunderbar bescheiden. Aber sie sind radikal und können ihre Meinung von einem Moment zum nächsten ändern. Und sie sind in ihrem Glauben skeptisch, intuitiv, ruhelos und hektisch.

Die Kinder Obaluaiês sind meist sehr zurückhaltende Menschen, ruhig und friedfertig. Sie sind nüchtern und können zugunsten anderer dem eigenen Leben entsagen. Sie vergessen dabei sogar die eigenen Interessen und widmen sich ganz der Hilfe für einen anderen, selbst wenn sie nichts davon haben. Das entzieht ihnen jedoch nicht ihre Unabhängigkeit und ihre Sehnsucht nach Freiheit. Von Zeit zu Zeit ziehen sie gerne ziellos davon in einer Art Wallfahrt der Erinnerung an ihren Vodun. Sie sind immer unzufrieden, auch wenn alles bestens läuft. Sie versuchen, immer mehr zu bekommen, als sie schon haben, und auch wenn es ihnen gelingt, sind sie dennoch nie zufrieden. Die Kinder Obaluaiês sind extrem ehrgeizig.

Sie fühlen einen großen Drang, besser verstanden zu werden und weniger unterdrückt, weniger unterwürfig zu sein. Die Tatsache, dass sie bereit sind, für andere und bescheidener zu leben, weist ihnen eine untergeordnete Rolle zu. Ihre friedfertige und gewaltfreie Art macht sie zu einem leichten Ziel für despotisch veranlagte Menschen, die keine Nächstenliebe empfinden. Aber ihr bescheidenes Verhalten hat oft ein bestimmtes Ziel, denn die Kinder Obaluaiês leiden nicht gerne und das Leben hat ihnen manchmal nicht viel Gutes beschert. Aber sie können auch wie jeder andere jederzeit Macht erlangen und achtenswerten Wohlstand erreichen, wenn sie es nur wollen. Wie schon das Sprichwort sagt, der Zweck heiligt die Mittel: Sie nehmen alle Widrigkeiten in Kauf, um in der Zukunft einen Nutzen davon zu haben.

Sie sind intelligent und hervorragende Schüler des Lebens, sie beobachten gut und nehmen alles in sich auf, was sie leicht zu sehen bekommen. Sie sind sehr entschlossen und gegebenenfalls auch gewalttätig. Sie vergessen nicht den erlittenen und unterdrückten Schmerz, jammern aber auch nicht darüber. Sie machen weiter und lassen ihrem Ärger nur freien Lauf, wenn es sein muss. Wenn nötig, bleibt er in irgendeiner Ecke der Vergangenheit begraben, aber irgendwann erinnern sie sich doch wieder daran. Sie sehen griesgrämig aus, sind aber gegenüber jenen, zu denen sie sofort eine Bindung aufbauen, großzügig. Ihren Freunden gegenüber sind sie ernst, ehrlich und gutmütig. Ihre Ernsthaftigkeit ist manchmal erschreckend, aber wenn man sie gut kennt, weiß man das zu verstehen und zu nehmen. Sie sind meist Menschen, die stets bereit sind, respektvoll zu helfen, aber sie sind auch sehr schnell verärgert. Dann überwältigt sie ihre Unabhängigkeit und Freiheitsliebe und sie geben sich diesem Gefühl ganz hin. Dann gehört die Welt nur ihnen.

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