Warenkorb leer!
Zum Warenkorb Zur Kasse
Zwischensumme: 0,00 

NANÃ

ALLGEMEINE BESCHREIBUNG

Nanã Buruku, Nanã, Nanã Buluku, Nanã Buruquê, Nanã Buru, Nanã Boroucou, Nanã Borodo, Anamburucu oder Nanamburucu ist eine Vodun und Orixá des Regens, der Mangroven, des Sumpfes, des Schlamms, die Herrin des Todes; sie ist für die Eingangs- (Reinkarnation) und Ausgangsportale (Entfleischung) zuständig. Sie wird im Orakel Merindilogun dargestellt durch den Odu Ejilobon.

Nanã ist eine weibliche Orixá, deren Ursprünge in Daomé liegen und die vor Jahrhunderten in die Mythologie der Yorubá aufgenommen wurde, als das Volk der Nagô das Volk von Daomé (heute Republik Benin) eroberte und seine Kultur anpasste, wobei einige der Orixás der Unterworfenen in ihre bereits vorhandene Mythologie übernommen wurden. Im Kontext dieses kulturellen Prozesses bleibt Oxalá (Mythos der Yorubá oder der Nagô) der Vater fast aller Orixás. Yemanjá (ebenfalls ein Yorubá-Mythos) ist die Mutter ihrer Kinder (Nagô) und Nanã (Jeje-Mythos) wird zur Mutter der Kinder Daomés, wobei nie die Vaterschaft Oxalás dieser Kinder hinterfragt wird; diese Vaterschaft gehört nicht zu den frühen Legenden Daomés, in denen es Oxalá natürlich noch nicht gibt. Die Mythen Daomés waren älter als die der Nagôs (sie kommen aus einer uralten Kultur, die schon vor der Entdeckung des Feuers bestand). Man hat daher versucht, diese Zeitfolge so zu erklären, dass Nanã und die Geburt ihrer Kinder vor dem Aufeinandertreffen Oxalás und Yemanjás lagen. Und in diesem Zusammenhang ist sie die erste Frau Oxalás, mit dem sie drei Kinder hat: Iroco (oder Tempo), Omolu (oder Obaluaiê) und Oxumarê.

In ihrer Zeit auf der Erde war sie die erste und eitelste Iyabá (weibliche Orixá), weswegen sie ihren Erstgeborenen mit Oxalá, Omulu, verstieß, denn dieser war mit verschiedenen Hautkrankheiten geboren worden. Sie wollte sich nicht um so ein Kind kümmern und setzte ihn an einem Strand aus. Yemanjá fand ihn verlassen und schon halbtot vor, heilte ihn und erzog ihn, als wäre sie seine Mutter – sie gab ihm all ihre Liebe und Zärtlichkeit. Als Oxalá davon erfuhr, was Nanã getan hatte, verdammte er sie dazu, noch weitere abnorme Kinder zu bekommen (Oxumarê, Euá und Ossaim) und verbannte sie aus dem Reich und befahl ihr, in einem dunklen und düsteren Sumpf zu leben.

Nanã besitzt einen Stab, den Ibiri. Ihre Kleidung scheint in Blut gebadet. Sie ist die Orixá der stehenden Gewässer. Sie tötet aus dem Nichts heraus, sie tötet Ziegen ohne Messer. Sie gilt als die älteste Orixá der Welt. Als Orunmilá hier ankam, um die Erde fruchtbar zu machen, war sie schon da. Nanã kennt das Eisen nicht, da es sich um eine prähistorische Orixá handelt, die aus der Zeit vor der Eisenzeit stammt. Das Wort nanan bedeutet „Wurzel“, jene, die sich im Zentrum der Erde befindet.

Nanã wurde zu einer der gefürchtetsten Iyabás; das ging so weit, dass sich in einigen Stämmen alle auf den Boden warfen, wenn nur ihr Name genannt wurde. Sie ist die Herrin der Krebserkrankungen und stets an der Seite ihres Sohnes Omolu. Sie ist die Beschützerin der Alten, Obdachlosen, Kranken und Sehbehinderten. Nach einigen Forschern ist sie eine Vodun, die ihre Wurzeln in Dassa-Zoumé hat. Sie ist eine alte Gottheit des Wassers. Pierre Verger fand einen Tempel in Dassa-Zoumé und einen Priester, die ihr geweiht waren.

Nanã wird liebevoll „Großmutter“ genannt, da man sie sich meist als alte Frau vorstellt. Sie wird in den afro-brasilianischen Religionen in ganz Brasilien verehrt. Ihr Emblem ist der Ibiri, der ihr Verhältnis zu den Geistern der Ahnen darstellt. Als „Ur-Erdmutter“ der Körner und der Toten könnte Nanã Buruku mit der griechisch-römischen Göttin Demeter-Ceres-Kybele verglichen werden. Der Nanã Buruku-Kult geht auf eine sehr frühe Zeit vor der Entdeckung des Eisens zurück; deshalb werden bei ihren Ritualen gewöhnlich keine schneidenden Gegenstände aus Metall verwendet.

Sie ist die älteste Gottheit im Pantheon und wird mit den stehenden Gewässern in Verbindung gebracht, dem Matsch der Sümpfe, dem Schlamm am Grunde der Flüsse und der Meere. Und sie ist die einzige Orixá, die nicht Ogums Souveränität anerkannt hat, die er beansprucht, weil er der Herr der Metalle ist. Sie wird ebenso als Gottheit des Lebens wie als Göttin des Todes verehrt.

Nanã ist der Regen und der Nieselregen. Die Regendusche ist eine Körperwäsche in ihrem Element, eine sehr starke Reinigung, eine Ehrerbietung gegenüber dieser großen Orixá. Nanã Buruquê repräsentiert die Vereinigung von all dem, was Gott erschaffen hat. Sie ist der Kontaktpunkt von Land und Wasser, deren Trennung bereits auf Weisung Gottes vorhanden war; somit ist sie zur selben Zeit wie die Welt geschaffen worden.

Mit der Verbindung von Wasser und Land entstand der Lehm. Der Lehm mit dem göttlichen Odem repräsentiert die Bewegung. Die Bewegung bekommt Struktur. Aus Bewegung und Struktur entstand die Schöpfung, der Mensch. Somit ist Nanã für manche die Höchste Gottheit, die Teil der Schöpfung war, wobei sie für das Element Lehm verantwortlich ist, der dem ersten Menschen und allen Lebewesen auf Erden Form gab, ebenso wie für den Fortbestand der menschlichen Existenz und für den Tod in einem ständigen Kreislauf der Veränderung, in dem nichts verlorengeht.

Sie ist eine sehr umstrittene Figur des afrikanischen Pantheons. Mal gefährlich und rachsüchtig, mal praktisch all ihrer Macht bar und in den Hintergrund gedrängt, bitter und leidend, vor allem aber übelnehmerisch. Als Orixá, die auch für die Gerechtigkeit zuständig ist, toleriert Nanã keinen Betrug, keine Indiskretion und keinen Diebstahl. Da sie eine sehr diskrete Orixá ist, die sich gerne im Verborgenen hält, können ihre eingeweihten Kinder einen völlig anderen Charakter haben als sie selbst. So würde etwa niemand vermuten, dass eine affektierte und eitle – scheinbare – Tochter Oxums in Wirklichkeit eine „verdeckte“ Tochter Nanãs ist. Nanã geht den entgegengesetzten Weg der Mutter des Süßwassers. Sie ist die Göttin des Todes, die Hüterin, die den Zugang zu diesem unbekannten Reich ermöglicht. Die Herrin des Reiches des Todes ist als Element die weiche Erde, die die Leichen aufnimmt, sie erwärmt und erhitzt und damit das im Mutterleib, in der Gebärmutter Erlebte, wiederholt. Ihr Kult ist daher geheimnisumwittert und sie wird von den Anhängern der Umbanda und des Candomblé mit weniger Vertrautheit behandelt als die extrovertierteren Orixás wie etwa Ogum und Xangô.

Aber Nanã verbirgt auch viele Geheimnisse, denn in ihr gehen die Toten auf, um durch sie verwandelt und erneut geboren werden zu können. Nur durch den Tod kann es für jeden eine neue Inkarnation geben, eine neue Geburt, ein neues Schicksal – und verantwortlich hierfür ist just Nanã. Sie gilt bei den Anhängern der Umbanda und des Candomblé als sehr ernste Figur mit starkem Gerechtigkeitssinn, die unfähig ist, einen Scherz zu machen oder sich emotional gehen zu lassen. Deshalb ist sie immer als glaubwürdige Zeugin der Legenden anwesend. Auf Nanã zu schwören, bedeutet für einen Gläubigen eine sehr ernste und unerschütterliche Verpflichtung, denn sie verlangt von ihren Anhängern und auch allgemein von jedem, der sie anruft, dieselbe Ernsthaftigkeit, mit der sie der Welt begegnet.

Nanã und Obaluaiê sind ein Paar. Und während sie mit der emotionalen Umfüllung und dem Schlafenlegen des Geistes beschäftigt ist, der zu Fleisch werden soll, arbeitet er am Übergang von der spirituellen auf die materielle Ebene (Inkarnation), umgibt den Geist mit einer besonderen Aura, die den energetischen Körper auf die Größe des Fötus reduziert, der sich bereits im Mutterleib gebildet hat und mit dem er seit dem Augenblick der Befruchtung verbunden ist. Dieses göttliche Mysterium, das den Geist verkleinert, beherrscht der Vater Obaluaiê, der der „Herr des Übergangs“ von einer Ebene auf die andere ist.

Und die Mutter Nanã umgibt den Geist, der wiedergeboren werden soll, mit einer einzigartigen Aura, die alle angesammelte Energie verwässert und die Erinnerung benebelt; damit wird der Geist auf ein neues Leben im Fleisch vorbereitet, in dem er sich an nichts erinnern wird, was er schon erlebt hat. Deshalb wird Nanã mit der Senilität, dem Alter, in Verbindung gebracht, denn das ist die Zeit, wenn die Menschen anfangen, vieles zu vergessen, was sie in ihrem körperlichen Leben erlebt haben.

Somit ist eines der Betätigungsfelder Nanãs das Gedächtnis der Menschen. Und wo Oxóssi den Verstand schärft, benebelt sie die Kenntnisse des Geistes, damit sie nicht das ihm für seine nächste Inkarnation bestimmte Schicksal stören. Sie ist auch für die Wechseljahre zuständig. Am Anfang dieses Prozesses steht Oxum, die die weibliche Sexualität stimuliert, gefolgt von Yemanjá, die die Mutterschaft anregt; am Ende schließlich steht Nanã, die sowohl die Sexualität als auch die Empfängnis lähmt. Diese große Orixá, Mutter und Großmutter, ist die Beschützerin der alten Menschen und Lebewesen, die Schutzpatronin der Familie und hat die Herrschaft über Überschwemmungen, Regen und den durch das Wasser hervorgerufenen Schlamm.

Als Herrin vieler Caurimuscheln vereinigt Nanã in sich den Tod, die Fruchtbarkeit und den Reichtum. Ihr Name bezeichnet alte und ehrwürdige Menschen und für die Jeje-Stämme in der Region des früheren Daomé bedeutet er „Mutter“. In dieser Region, die heute in der Republik Benin liegt, wird Nanã oft als die höchste Gottheit angesehen und vielleicht ist das der Grund, warum sie oft als männlicher Orixá beschrieben wird.

Als älteste Gottheit des Wassers repräsentiert sie das Urgedächtnis unseres Volkes: Sie ist die alte Mutter (Iyá Abba) par Excellence. Sie ist die Mutter der Orixás Iroko, Obaluaiê und Oxumarê, doch als die älteste Göttin im Candomblé wird sie von allen anderen Orixás als ihre Mutter respektiert.

Das Leben ist voller Geheimnisse, die den Menschen im Laufe der Geschichte geplagt haben. Doch schon in seiner Vorgeschichte sah der Mensch sich mit dem Mysterium des Todes konfrontiert, was tief in seinem Inneren ein zwiespältiges Gefühl hervorrief. Die Mythen linderten diesen Schmerz und der Verstand deutete auf das hin, was im Schicksal des Menschen sicher war. Der Tod inspiriert die ersten religiösen Gefühle im Menschen; und in diesem Augenblick zeigt sich Nanã, denn in der Vorgeschichte wurden die Toten in Kindslage begraben, was auf den Gedanken der Geburt oder der Wiedergeburt verweist. Der frühe Mensch verstand, dass Tod und Leben zusammengehören, er verstand die Mysterien Nanãs. Nanã ist der Anfang, die Mitte und das Ende; Geburt, Leben und Tod.

Sie ist der Ursprung und die Macht. Nanã verstehen heißt das Schicksal verstehen, das Leben und den Weg des Menschen auf Erden, denn Nanã ist die Geschichte. Nanã ist das stehende Wasser, das Wasser des Lebens und des Todes. Nanã ist der Anfang, weil sie der Lehm und der Lehm das Leben ist. Nanã ist die Besitzerin der Axé, weil sie die Orixá ist, die Leben und Überleben spendet, die Herrin der Ibis (Ibi = Geburt, Ort), die die Geburt der Götter und der Menschen ermöglicht.

Nanã kann die schmerzliche Erinnerung an den Tod sein im Leben des Menschen, aber nur für jene, die dieses Ende als etwas Negatives sehen, als einen extrem schweren Mantel, den jedes Lebewesen von Geburt an tragen muss. Tatsächlich bekümmern sich damit nur Menschen, deren Herz voller Bosheit ist und die ihr Leben damit verbringen, anderen Schaden zuzufügen. Jene, die Gutes tun, kümmern sich um ihr Wohlergehen, ihre spirituelle Erhöhung und wünschen den anderen dasselbe wie für sich selbst, sie erwarten vom Leben immer noch bessere Tage und sehen den Tod als etwas Natürliches und Unvermeidliches. Sie sind sich der Unsterblichkeit ihrer Essenz sicher.

Nanã, die größte Mutter, ist das Licht, das uns lenkt, unser Alltag. Das eigene Leben zu kennen und das eigene Schicksal bedeutet, Nanã zu kennen, denn die Grundlagen der Orixás und des Candomblé sind mit dem Leben verbunden. Unser Leben ist unser Orixá. Im Tod, der Voraussetzung für Wiedergeburt und Fruchtbarkeit, finden sich die Geheimnisse Nanãs. Nanã, respektiert und gefürchtet, Göttin des Regens, des Schlamms, der Erde, Richterin, die unzulängliche Menschen bestraft: sie ist der Tod in der Essenz des Lebens.

Nanã wird auch An genannt – eine Nachsilbe, die in mehreren afrikanischen Städten mit dem Wort „Mutter“ in Verbindung steht. Nach einigen Legenden des Volkes Fon gilt diese Gottheit als der höchste Gott dieser Nation; in anderen Nationen gilt sie als die Schöpferin der Welt.

Diese Herrin vermittelt und ermöglicht die Gesundheit und das Führen eines guten Lebens. Der Herrschaftsbereich Nanãs erstreckt sich von der Oberfläche des Morasts bis in den inneren und feuchten Teil der Erde. In ihrem Bauch führt sie den Zerfall dessen herbei, das nach dem Tod in die Mutter Erde zurückkehrt und wieder in sie integriert wird. Die Elemente Wasser und Erde, Repräsentanten der Fruchtbarkeit und der Schwangerschaft, sind die Träger der weiblichen Axé. Nanã, Urmutter par Excellence und Großmutter per Seniorität, trägt ebenfalls zum Unterhalt des Menschen bei. Sie wird auch „Besitzerin des Korns“ genannt und bietet dem Menschen Nahrung, indem sie in seinen Ländereien das Korn und die Samen befruchtet und so beim Entstehen neuer Pflanzen hilft.

Nur Nanã kennt die Geheimnisse der Verarbeitung und Verwandlung ihres Reiches. Und in ihrer Wohnstätte muss das ständig geschehen, um sicherzustellen, dass sie besänftigt ist. Für sie gilt: Ohne den Tod kann das Leben nicht fortbestehen; es ist die Bewegung, die das Gleichgewicht der Erde ermöglicht. Die Geweihten des Candomblé müssen nach dem Tod in die Erde gebracht werden, damit sie nicht den natürlichen Kreislauf der Natur unterbrechen, der darin besteht, dass wir wieder zu dem Schlamm werden, aus dem wir geformt wurden.

In den Liturgien Nanãs und den Elementen, die ihr Macht geben, erkennt man, dass sie aus sehr früher Zeit stammt. Da sie aus einer Zeit vor der Entdeckung der Metalle stammt, akzeptiert sie diese weder in ihren Ritualen noch in der Nähe ihrer Objekte. Selbst ihre Persönlichkeit ist konservativ und ursprünglich. Bei ihren Ritualen werden nur Gegenstände verwendet, die aus Holz oder Ton gefertigt sind. Diese Besonderheit führt jedoch nicht zu Feindschaft oder zu Differenzen zwischen Nanã und Ogum, dem Herrn der Metalle, denn beide respektieren die Rituale und die Epochen des jeweils anderen.

Im Gegenzug kennt diese Iyabá, die im Herzen des Waldes und der Überflutungsgebiete lebt, den therapeutischen und rituellen Nutzen der Kräuter und Pflanzen, die bei der Heilung des Menschen oder beim Zauber helfen, besser als jeder andere. Mithilfe bestimmter Blätter kann sie Schaden verursachen oder beheben.

Sie verurteilt die Menschen, die anderen mithilfe von Boshaftigkeit und Zauber nur Schaden zufügen wollen und keine Liebe und Brüderlichkeit schenken und nicht den weniger Glücklichen und Kranken helfen. Sie wird dann zur Feindin solcher Menschen. Und sie übernimmt die Verantwortung dafür, dieses Übel zu bekämpfen, denn wer Böses tut oder wünscht, entgeht ihrer Strafe nicht. Nanã nimmt davon nicht einmal ihre eigenen Kinder aus. Jenen aber, die sich an ihre Vorgaben halten und versuchen, entsprechend ihren Regeln und Dogmen zu leben, bietet sie die Möglichkeit, in Würde zu leben. Daher wird sie von den Yorubá als „Orixá der Gerechtigkeit“ (Õrisã láarê) bezeichnet, denn sie gehört in eine Zeit, in der das „Wort“ die „Ehre“ bedeutete. Weder akzeptiert sie jene, die die religiösen und moralischen Geheimnisse und Schwüre missachten, noch vergibt sie ihnen.

Aufgrund ihrer Verbindung zu den Caurimuscheln, diesen kleinen Krustentieren, die die Feuchtgebiete der Erde bewohnen, ist sie als „Gottheit der Opulenz“ und als „Herrin der Caurimuscheln“ anerkannt. Diese werden, ohne ein eigenes Innenleben, zum Symbol des Wohlstands. Vor langer Zeit wurden Sie in Afrika als Geld oder Tauschobjekt verwendet. Sie repräsentieren die Kinder Nanãs, denn sie wurden in ihrem Reich geboren und sind ihre direkten Nachkommen.

Nanã ist uralt und gilt als eine Iyalodé; sie gehört auch dem geheimen Bund der Geledê an, in dem sich die höchsten Herrscherinnen der weiblichen Macht, die Iyá-Agbá, die Matriarchinnen, die Ältesten, versammeln. Sie besitzen die mystische und unverzichtbare Macht der Fruchtbarkeit: der weiblichen Fruchtbarkeit. Diese Frauen sind auch mit den Bäumen und Vögeln verbunden. Durch diese Elemente ist Nanã emotional mit Iroco, ihrem Sohn und Herrn der Bäume, verbunden, der den Vögeln Unterschlupf bietet, diesen Boten der Iyamís; und mit Iewá, der mächtigen Jägerin, ihrer Tochter, die zur Gruppe der Eletyés gehört.

Nanã ist sehr weise und wurde von allen als die Hüterin der Gerechtigkeit betrachtet. Tatsächlich war sie eine Richterin und die Menschen, vor allem die Frauen, beklagten sich bei ihr und sie sprach Urteile und vollstreckte die Strafen. Nanã ist der Tod, der im Kern des Lebens wohnt und die Wiedergeburt ermöglicht. Das Leben und alles, was es symbolisiert – wie das Sperma und das Blut – gelten Nanã als Tabu.

 

EIGENSCHAFTEN DER KINDER

Die Orixá Nanã herrscht über die Reife und ihr bevorzugtes Betätigungsfeld ist die Ratio. Sie füllt den emotionalen Menschen um und bereitet ihn auf ein ausgeglicheneres „Leben“ vor.

Wer Nanã als Orixá hat, sollte vor allem an die Figur der Großmutter denken: manchmal geradezu exzessiv liebevoll, die Mütterlichkeit auf die Spitze treibend, gleichzeitig aber auch griesgrämig und mit einer starken Neigung, andere zu rügen. Sie hat keinen Humor, weshalb sie unbedeutende Vorfälle überbewertet und kleine Probleme aufbauscht. Dabei hat sie großes Verständnis für den Menschen, als wäre sie noch viel älter als er selbst. Deshalb sind der Pardon für jene, die einen Fehler machen, und der Trost für die Leidenden für sie ganz natürlich. Durch ihre geweihten Kinder wendet sich Nanã der Gemeinschaft zu und versucht stets, den Willen und die Bedürfnisse der anderen zu erfüllen.

Manchmal jedoch verlangt sie Aufmerksamkeit und Respekt und sieht ihn sich von den Menschen in ihrem Umfeld nicht gezollt. Sie kann nicht verstehen, warum manche Menschen bestimmte, einfache Fehler machen oder warum sie bestimmte Auswege suchen, die einem Kind Nanãs als offensichtlich unangemessen erscheinen. Sie ist die Art von Person, die fremde Meinungen nicht recht versteht und auch nicht akzeptieren kann, dass nicht alle so denken wie sie.

Die Treffsicherheit ihrer Entscheidungen sorgt dafür, dass sie immer auf dem Pfad von Weisheit und Gerechtigkeit bleibt. All das deutet auch darauf hin, dass die Kinder Nanãs eher konservativer sind als der Rest der Gesellschaft und gerne die Uhr zurückdrehen und Lebensformen wieder aufleben lassen würden, die der Vergangenheit angehören. Sie wünschen sich eine vorhersehbare, stabile Welt oder gar die Vergangenheit zurück: Sie sind es, die die Raumfahrt beklagen, die neuen Sitten, die neue Moral usw. Sie sind konservativ und den vom Menschen geschaffenen Konventionen verhaftet.

Körperlich altern sie rasch und scheinen oft älter zu sein, als sie es wirklich sind. Die Kinder Nanãs sind ruhig und wohlwollend und handeln immer mit Würde und Güte. Sie erledigen ihre Aufgaben langsam und gehen davon aus, dass sie für alles Zeit haben, so als dauere der Tag ewig. Sie lieben Kinder und erziehen sie mit Zärtlichkeit und übertriebener Milde mit einer Neigung, sich so nachsichtig wie eine Großmutter zu zeigen. Oft zeigen sie schon früh typische Alterserscheinungen wie eine Neigung, in der Vergangenheit zu leben, in Erinnerungen, und typische Krankheitsbilder wie Rheuma und Gelenkprobleme.

Die Kinder Nanãs sind introvertiert. Sie haben ein ernstes und strenges Temperament. Sie sind griesgrämig und eher gefürchtet als geliebt. Die Töchter Nanãs sind wenig feminin, nicht besonders attraktiv und haben mit der Sexualität nicht viel am Hut. Aus Furcht vor dem Schmerz, zu lieben und verlassen zu werden, widmen sie sich der Karriere, der Berufung und dem gesellschaftlichen Aufstieg.

Sie vermitteln anderen den Eindruck der Ruhe, gehen aber schnell zu anderem Verhalten über und werden kriegerisch und aggressiv; sie können dann gefährlich sein, was andere erschreckt. Sie halten ihre Meinung stur bis zur letzten Konsequenz durch. Als Mütter lieben sie ihre Kinder über alles und beschützen sie sehr. Sie sind besitzergreifend und eifersüchtig. Sie verlangen Aufmerksamkeit und Respekt, sind nicht sehr fröhlich und mögen keine Scherze. Die Kinder dieser Orixá sind majestätisch und selbstsicher und suchen immer nach dem Pfad der Weisheit und Gerechtigkeit.

Obwohl Nanã ein unnachgiebiger Charakter zugeschrieben wird, sind ihre Kinder gerne bereit, zu vergeben, insbesondere denen, die sie lieben. Sie sind gutmütige, entschlossene, sympathische Personen, vor allem aber respektabel und mit einem Verhalten, das der Großen Göttin von Daomé würdig ist.

Die Töchter Nanãs stehen für und verlangen großen Respekt, behandeln alle mit viel Güte und sind extrem freundlich. Sie bleiben gerne sitzen und verweilen ruhig an einem für sie reservierten Platz. Bei solchen Gelegenheiten wenden sie sich ihren Erinnerungen aus der Vergangenheit zu, denn sie haben ein gutes Gedächtnis. Ihr verschlossenes, manchmal griesgrämiges Gesicht macht sie zu „früh gealterten Frauen“. Manche haben ein introvertiertes, aber friedliches Temperament.

Sie arbeiten hart und unermüdlich. Sie pflegen ihre Freundschaften sorgsam, denn sie mögen ihre Freunde sehr. Werden sie aber betrogen, verletzt oder beleidigt, so sind sie rachsüchtig und hegen einen Groll für lange Zeit.

Obgleich sie die Entwicklung der Welt erleben, sind sie Traditionalisten und versuchen, ihren Lebensstil nicht allzu sehr zu verändern. Sie handeln ausgeglichen, da sie keine plötzlichen Veränderungen mögen. Zwar leben sie gerne gut, sind aber nicht ehrgeizig und ziehen das einfache Leben vor. Aber sie lieben es, verwöhnt und gestreichelt, mit Liebe behandelt zu werden als wären sie jedermanns Oma. Sie haben Geduld mit Kindern und jüngeren Menschen, erziehen sie gerne, hören ihnen zu und behandeln sie mit Zärtlichkeit und Verständnis, denn sie lernen gerne von der Jugend. Sie bleiben lieber bei sich zuhause, wo es immer sauber und gastfreundlich ist, als das Haus zu verlassen. Die Töchter Nanãs sind bei den Geweihten der unterschiedlichen Candomblé-Nationen sehr gefragt, denn sie sind Personen mit einem guten Wesen und einer angenehmen und gastfreundlichen Persönlichkeit, die gerne ihre ethischen und moralischen Lehren weitergeben.

footer logo