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IBEJI

ALLGEMEINE BESCHREIBUNG

Ibeji ist das Kind-Orixá; tatsächlich ist es zwei kindliche Zwillingsgottheiten, die mit allen Orixás und allen Menschen verbunden sind. Als Zwillinge sind sie mit dem Prinzip der Dualität verbunden; als Kinder mit allem, das anfängt und geboren wird: der Quelle eines Flusses, der Geburt der Menschen, dem Keimen der Pflanzen usw. Ibeji lautet der Name in der Nation Ketu, oder Vunji in den Nationen Angola und Kongo. Das ist das Orixá Erê, d.h. das Kind-Orixá. Es ist die Gottheit des Scherzens, der Freude; ihre Herrschaft ist mit der Kindheit verbunden.

Ibeji ist bei allen Candomblé-Ritualen dabei, denn genau wie Exú, kann er, wenn man sich nicht gut um ihn kümmert, mit seinen kindlichen Spielereien die Konzentration der Mitglieder eines Tempels stören und so ihre Arbeit behindern. Es ist der Orixá, der den Frohsinn, die Unschuld, die Naivität des Kindes regiert. Bis zur Jugend und vor allem in der Babyphase schützt dieser Orixá die Menschen, unabhängig von dem Orixá, das das jeweilige Kind trägt.

Ibeji ist alles, das es an Gutem, Schönem und Reinem gibt: ein Kind kann uns sein Lächeln, seine Freude, seine Fröhlichkeit, sein Reden, seine leuchtenden Augen zeigen. In der Natur, in der Schönheit des Gesangs der Vögel, den Manövern beim Flug der Vögel, der Schönheit und dem Duft der Blumen. All das Gute, das uns während unserer Kindheit widerfahren ist, wurde von Ibeji gelenkt, gesteuert und beaufsichtigt. Daher hat Ibeji schon alle Glücksmomente und Streiche erlebt, die wir als Menschen jemals erleben können. Legende und Geschichte Ibejis wiederholen sich in jedem glücklichen Augenblick eines Kindes. Der Zauber von Ibeji ist allgegenwärtig. Er ist im Gefühl, am Leben zu sein, in der Magie des Lächelns, der Liebe eines Kindes.

In Afrika repräsentieren die Kinder die Sicherheit der Kontinuität, deshalb betrachten Eltern ihre Kinder als ihren größten Schatz. Die Sorge um den Unterhalt für die Kinder ist verbreitet, man muss sich nur die Not der afrikanischen Städte und die Lage der Schwarzen während der Sklaverei und in der Diaspora vor Augen halten. Die Frage nach dem Wohl der Kinder ist allgegenwärtig und auch im Orakel sehr prominent.

Das Wort „Ibeji“ bedeutet Zwillinge und der Orixá lbeji ist der einzige immer doppelte Orixá. Er besteht aus zwei getrennten Gottheiten, die nebeneinander bestehen und das Grundprinzip der Dualität darstellen. Die lbejis sind Kinder, die Iansã zur Welt gebracht, dann aber verstoßen und ins Wasser geworfen hat. Oxum umarmte sie und zog sie als ihre eigenen Kinder groß. Seither werden die Ibejis bei den Oxum geweihten Ritualen gegrüßt und bei den großen Opfern für diese Göttin bekommen auch sie Geschenke.

Unter den afrikanischen Göttern steht Ibeji für den Widerspruch, die Gegensätze, die miteinander einhergehen, die ständige Zwiespältigkeit jedes Menschen. Ibeji zeigt, dass es in allem, unter allen Umständen, immer zwei Seiten gibt und dass es nur dann Gerechtigkeit geben kann, wenn beide Maße angelegt werden, wenn beide Seiten gehört werden. Die Tatsache, dass Ibeji den Widerspruch darstellt, ist der erste Faktor, der ihn mit Exú verbindet; der zweite und wichtigere ist, dass es wie bei Exú auch bei ihm Pflicht ist, ihn zu verehren, denn beide lenken die positiven Kräfte der Candomblé-Tempel. Ibeji darf niemals vergessen werden, denn ihn zu vergessen bedeutet, alle Orixás zu vergessen, da ihn ja stets alle begleiten. Es heißt, dass Ibeji aus der Vereinigung aller männlichen mit allen weiblichen Orixás hervorgegangen ist und dass er deshalb stets bei den Orixás ist, wie der Samen in der Frucht.

Ibeji ist der einzige Kind-Orixá. Er ist die Freude des Hauses. Deshalb steht er in Beziehung mit dem Anfang. Mit ihm sind alle Anfänge verbunden, jede Aktivität, die den Beginn eines Zyklus markiert, wie die Quelle eines Flusses, die Geburt eines Menschen oder das Keimen einer Pflanze. Gemeinsam mit Ogum antworten sie im Orakel über den Odu Ejiokomeji, auch er ist mit dem Beginn aller Dinge verbunden.

Zwar sind Ibejis Kind-Orixás, Zwillinge, müssen aber wie eine einzige Gottheit geehrt werden. Wie schon der Name sagt (ibi, zur Welt kommen, eii, zwei) sind diese „im Doppelpack Geborenen“ die Schutzpatrone von allem, das doppelt ist oder eine Zweiheit bildet, wie Paare, Gegensätze und allem voran Zwillinge. Auch der Mensch wird von Ibeji regiert, denn er ist zwiegespalten in Persönlichkeit und Charakter. Diese Zwiespältigkeit sieht man auch im Tag, denn er braucht die Nacht, um anbrechen zu können; in der Krankheit, die kommt, wenn die Gesundheit nachlässt; im Guten, das immer mit dem Bösen einhergeht und in vielen anderen Formen. Alles, was es gibt, hat sein Doppel. Auch der Mensch selbst wird schon auf den eigenen Tod vorbereitet geboren.

Die Ibejis stehen aber auch für die jeweils zusammengehörenden Gegensätze, wie Mann und Frau, die sich gegenseitig anziehen und ergänzen. Selbst Menschen gleichen Geschlechts müssen sich unterscheiden, damit sie sich verstehen und aufeinander anziehend wirken können. Diese Beziehung Ibejis mit dem Doppel wird symbolisiert durch Oiá und Xangô, seine Eltern. Oiá bläst den Wind, der das Feuer – das Element Xangôs – sowohl anfacht als auch auslöscht. Und die Hitze der Sonne, die Xangô versengt, vergrößert und bewegt die Luftmoleküle, was den Wind Oiás hervorruft.

Ibeji repräsentiert auch den Beginn und bringt das Knospen neuen Lebens mit sich. Das ist die Zweideutigkeit, die das Leben regiert. Die Ibejis sind symbolisch auch Oxum gewidmet, der für Entstehung, Förderung und Stützung aller Kinder sowohl im Orum – Himmel – wie im Aiê – der Erde – Verantwortlichen. Allerdings ist es Oiás Vorrecht, die Zwillinge in die Welt zu setzen und sich um sie zu kümmern.

Bei der Nation Bantu heißt der Ibeji analoge Nkisi Vunje oder Mabaça; bei der Nation Fon heißt der vergleichbare Vodun Hoho. Die Zwillinge gelten bei den Yorubá als der Gruppe von Kindern angehörig, die unter besonderen Umständen geboren wurden wie die Abiaxés, die Salacós, die Abialás, die Talubes und die Abikus. Das sind Menschen, die eine besondere Behandlung brauchen und um die sich ein Priester kümmern muss, der tiefgreifende Kenntnisse über sie hat. Die Abikus, beispielsweise, sind zu Tode geweihte Kinder. Zeitlebens benötigen sie eine besondere Behandlung, auch im Zusammenhang der üblichen Rituale wie Einweihung, der Übertragung von Ämtern, der Kontakte zu bestimmten Entitäten.

Ibeji personifiziert die Unschuld, die Schläue, die Folgenlosigkeit, aber auch das Gleichgewicht und die Abwägung. Da er mit der Kindheit verbunden ist und allem Reinen und Schönen daran, gilt er als der „Orixá der Freude“. Seine Herrschaft richtet sich auf das Spiel und die Energie und den Scharfsinn all jener, die das Kind in sich pflegen.

Ibeji personifiziert die kindliche Seite des Menschen, die sich ständig weiterentwickelt. Somit hat Ibeji die Macht, zu wachsen und Grenzen zu überwinden und bringt die Fähigkeit mit sich, das Leben ruhig fließen zu lassen, sodass der Mensch Wohlstand und Fortschritt erzielen kann. Als legitimer Repräsentant der Fruchtbarkeit und Manneskraft trägt er die Fähigkeit in sich, die Welt stärker zu bevölkern, und zwar in einem positiven Sinne, denn er bringt den Menschen Freude, Freundschaft, Brüderlichkeit und Kameradschaft.

Aber Ibeji ist nicht nur süß und goldig, ganz im Gegenteil. Er ist ein mächtiger und gefährlicher Orixá, denn in seinem kindlichen Eifer erkennt er keine Grenzen an und missachtet Regeln, er akzeptiert keine Beleidigung ohne entsprechende Retourkutsche. Deshalb wird er von den Menschen und den anderen Orixás anerkannt, respektiert und auch gefürchtet. Wenn ihm widersprochen oder er in den Hintergrund gedrängt wird, akzeptieren seine Strafe sogar die Irunmolés (anderer Begriff für die Orixás). Die älteren Gottheiten sind meist gemäßigter, handeln rational und sogar etwas paternalistisch. Bei Ibeji ist das anders: Er handelt impulsiv, in einem schwer einzudämmenden Ausbruch. Das ist auch für das Verhalten von Kindern typisch.

Ibeji ist die reinste Kraft in der Natur. Er repräsentiert die Unschuld und die Energie der Kinder, Menschen, die noch nicht von den Enttäuschungen, Problemen und Bösartigkeiten vergiftet wurden, die die Erwachsenen der Gesellschaft bereiten. Ibeji zu erfreuen, bedeutet Olorum und auch alle anderen Orixás zu erfreuen, denn diese brauchen seine Unschuld und Impulsivität, um dem Menschen bei seinem Weg auf Erden zu helfen.

 

EIGENSCHAFTEN DER KINDER

Die Kinder Ibejis sind Menschen mit einem kindlichen Temperament, fröhlich und handeln, ohne Folgen zu bedenken. Das Kind in ihnen stirbt nie. Sie sind meist Witzbolde, lachen viel, sind rastlos – kurz, all das, was man als typisch kindliches Verhalten betrachten könnte.

In ihren Liebesbeziehungen und in emotionalen Beziehungen allgemein sind sie sehr abhängig und können sich als extrem stur und besitzergreifend erweisen. Gleichzeitig zeigt sich ihre leichte Art, zu leben, in ihrem kindlichen Gesicht und in ihrer agilen Art, sich zu bewegen, in ihren Schwierigkeiten, länger ruhig sitzen zu bleiben, und in der Energie, die sie verströmen.

Oft schlägt ihre Laune sehr plötzlich um und sie vereinfachen Dinge gerne, insbesondere in emotionaler Hinsicht. Das komplexe Verhalten anderer in ihrem Umfeld reduzieren sie gerne mal auf einfache Grundsätze wie „er mag mich – er mag mich nicht“. Das führt dann schnell dazu, dass sie verletzt oder enttäuscht sind.

Gleichzeitig verpuffen ihre Traurigkeit und ihr Leiden aber auch leicht, ohne große Spuren zu hinterlassen. Genau wie Kinder sind sie meist gerne unter Menschen, bei sportlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungen und bei Festen.

Die Kinder Ibejis haben ein fröhliches und etwas unverbindliches Gemüt mit häufigen Änderungen bei Verhalten und Meinungen. Zwar nehmen sie das Leben ernst, sind aber sehr unbekümmert. Oft sehen sie recht kindlich aus und man sieht ihnen ihr wahres Alter nicht an.

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