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Die Odus

Die Odus sind, neben den Orixás, die zweite Kategorie von Entitäten, die die karmafreie Ebene der geistigen Welt besetzen. Die Odus werden synonym als Propheten oder Erzengel bezeichnet. Sie stehen für definierte Energiestrukturen des Universums, für definierte Wege. In Abgrenzung zu den Qualitäten der Orixás sind die Strukturen der Odus unabhängig von dem Menschen und allem Materiellen. Sie existieren nicht IM Menschen, sondern sie beeinflussen ihn und sind die Grundlage dafür, dass sich die menschlichen Qualitäten entfalten und entwickeln können. Bildlich gesprochen sind die Odus die Autobahn, der Mensch ist das Auto. Und das Orakel ist die Navigation, die Positionen, Staus, Wegstrecken aufzeigt.

Es sind insgesamt 16 Odus, die die Energiestrukturen bestimmen. Sie werden als Strichcodes kodiert und gelten als das älteste duale Prinzip der Menschheit. Vermutlich bilden sie die Grundlage für das chinesische I Ging (dessen Hexagramme eine Verkürzung des Systems von Ifá darstellen). Die 16 Odus treten stets paarweise auf – entweder als Doppelung und Verstärkung (die Odu Mejis) oder als Kreuzung in der Interaktion (zwei unterschiedliche Odus). So entstehen die 256 Odus – 256 ist das rechnerische Ergebnis aller möglichen Interaktionen (16×16 Kombinationsmöglichkeiten). In der Literatur und in der Überlieferung werden die 16 Haupt-Odus (Verbindung mit sich selbst) auch Propheten genannt und die Kreuzungen untereinander als Jünger bezeichnet.

Die Odus sind Teil eines Zyklus und stehen archetypisch für definierte Themen innerhalb dieses Zyklus. Auf dem Weg in das Licht befindet sich jeder Mensch, jede Situation auf einem dieser 16 Wege. Und im Verhältnis von innerer und äußerer Welt, von Gegenwart und Zukunft steht er an Weggabelungen, also Kreuzungen dieser Odus (woraus sich der Wert von 256 Odus ergibt, entsprechend 16×16 Kombinationen).

Der Gesamtzyklus ist ein Abbild des Lebens selbst und der Entwicklung des Lebens ins Licht. Es ist ein Zyklus des zunehmenden Bewusstseins und Eins-Seins mit dem Geistigen. Es ist ein Zyklus an dessen Ende eine Übereinstimmung von innerer Qualität und äußerem Weg besteht, sozusagen der Punkt der bewussten Erleuchtung und Offenbarung der Bestimmung.

Die ersten 8 Odus repräsentieren die Manifestation des Geistigen im Leben. Sie stehen für das Unsichtbare im Sichtbaren. Ogbe ist der Anfang von allem, das Leben. Diesem Leben steht die Erfahrung der Endlichkeit des Lebens gegenüber, dem Tod im Oyeku. Doch Tod ist lediglich ein Zwischenzustand eines größeren Transformationsprozesses in Iwori, der auf höherer Ebene im Odi eine Wiedergeburt bedeutet. Diese vier Odus definieren den inneren Zyklus des Lebens.

Die folgenden 4 Odus markieren die Evolution des inneren Lebens. Nach der Wiedergeburt erfährt sich der Mensch als Teil eines großen Reinkarnationsprozesses. In diesem Zyklus erfährt er auch, dass nichts von Dauer und nichts planbar ist. Stets lenkt uns das Leben zu unserer Bestimmung, es steht über uns und sorgt für unsere Entwicklung. Es gibt immer einen unvorhersehbaren Sturm, der alles umwirft. Dieses Element geschieht in Owonrin. Diese Erkenntnis für in Obara zur Transformation des Egos, Voraussetzung für einen Neustart in Okanran.

Nun startet der zweite große Zyklus der Evolution. Hier manifestiert sich der Mensch als Ebenbild des Geistigen, er formt das Sichtbare aus dem Unsichtbaren. In Ogunda formuliert der Mensch den Willen zur Erschaffung einer Welt als Abbild des Geistes und wird sich in Osa bewusst, dass alles Erschaffene vergänglich ist und nur die Essenz in Ika wirklich bleibt. Vergänglichkeit des Materiellen und Unvergänglichkeit geistiger Essenz bilden die Grundlage für neues Wachstum in Otupuron.

Die Odus Ogunda bis Otupuron bilden einen äußeren Zyklus des Lebens. Ihm folgt die wahre Evolution und Schöpfung im Äußeren – die Abbildung der geistigen Kraft ausgehend von einer inneren Vision in Otura. Sie führt zu einer äußeren Aktion in Irete, einer aktiven Handlung im Leben. In dem Bewusstsein, dass alles ein Abbild des Geistes ist und dass nichts ohne geistige Anbindung in Ose entstehen kann, vollendet der Mensch die Schöpfung in Ofun. Ofun ist die Offenbarung des Geistigen in der Materie.

OGBE

Ogbe ist die Manifestation reinen Lichts, das von einer externen Quelle herrührt. Ogbe ist eine Bewegung ohne Widerstand, ein offener Weg. Ogbe als Ausdruck spirituellen Wachstums verkörpert den vollständigen Einklang mit der Bestimmung.

Ifá lehrt, dass alle Menschen sich eine Bestimmung auswählen, bevor sie im Rahmen des Zyklus der Wiedergeburt (Atunwa) auf die Erde zurückkehren. Er sagt, dass die Natur einen Menschen, der in Harmonie mit seinem Schicksal lebt, mit einem langen Leben, Reichtum und einer großen Familie beschenkt.

Ein Scheitern des Lebens im Einklang mit der Bestimmung führt zu Krankheit, Armut und Isolation. Ifá sagt, dass eine Person, die sich ihrer Bestimmung unsicher ist, entsprechend den Prinzipien eines guten Charakters leben sollte, denn man glaubt, dass die ganze Welt in ihrem Wesen grundsätzlich gut ist.

Wenn jemand in vollständiger Harmonie mit seinem Schicksal lebt, besteht das bedrohlichste Problem darin, dass sich diese Ausrichtung ändern könnte. Wenn Ogbe erscheint, birgt dies eine Warnung. Man soll darauf achten, ob man immer noch einen guten Charakter zeigt. Die negative Äußerung von Ogbe nach persönlichen Maßstäben ist die Arroganz.

Der offene Weg symbolisiert die Vorstellung der Harmonie mit dem persönlichen Schicksal. Ifá lehrt, dass ein Leben im Einklang mit dem Schicksal Segen bringt.

OYEKU

Oyeku beginnt und beendet einen Zyklus. Oyeku ist eine Zusammenführung von „ O yeye iku“ was so viel bedeutet wie “Geist der Mutter des Todes”. In einfachen Worten: Oyeku ist die Dunkelheit, die Abwesenheit von Licht. Oyeku ist die „tiefste“ Materie, das, was man in der Physik das schwarze Loch nennt.

In den Worten der Menschen kann dies den physischen Tod bedeuten. Allgemeiner gedacht steht es für das Ende eines Zyklus. Wenn ein Baby geboren wird, ist dies bereits ein Ende, das Ende des Zyklus des Lebens im Uterus. Wenn ein Jugendlicher zu einem Erwachsenen heranwächst, kommt es zum Ende des Zyklus der Abhängigkeit von den Eltern.

Bei Ifá bedeutet das Ende des Lebens auf der Erde den Beginn des Lebens im Reich der Vorfahren (Orun). In der Sprache der Yorubá nennt man das Schwarze dudu und es wird mit Oyeku in Verbindung gebracht, als Symbol der unsichtbaren Dimension, der Quelle der Schöpfung.

Oyeku als Ende eines Zyklus kann eine Friedenssegnung mit sich bringen. In seiner negativen Manifestation vertritt Oyeku ein vorzeitiges Ende eines Zyklus, das nicht in einer vollständigen Reife oder in Nutzen resultieren kann.

Das Ende eines Zyklus in der Sprache von Oyeku kann das Ende einer Entwicklungsphase eines Menschen sein, kann auch den Abschluss eines Projektes bedeuten oder das Ende eines Lernprozesses im Leben eines Menschen. Oyeku hat sich möglicherweise auch auf das Ende eines Lebenszyklus bezogen und dies buchstäblich in Verbindung mit dem physischen Tod. Wenn Oyeku von der Gefahr eines vorzeitigen Todes spricht, beinhaltet dies auch spezielle Anweisungen, wie man diese Situation vermeiden kann. Oyeku in seiner negativen Manifestation: Es steht für das Versagen bei der Vollendung einer Aufgabe oder um das vorzeitige Ende eines Zyklus.

IWORI

Iwori steht für die Transformation und die Identitätsbildung im inneren Zyklus des Lebens.

Iwori ist ein Gesandter von Iwa Ori, was “Charakter des Bewusstseins” bedeutet oder „die innere Essenz des Bewusstseins“. Ifá lehrt, dass alle Dinge im Universum irgendeine Form von Bewusstsein haben.

In den Worten von Iwori impliziert dies eine Vereinigung der Seele mit dem Fortschritt des Bewusstseins, wobei dieses die einzigartige Identität bildet. In der Sprache der Psychologie entspricht diesem Vorgang die Individualisierung.

Bei Ifá bedeutet der Begriff “Iwori” einen spirituellen Transformationsfortschritt, der das Element des Feuers symbolisiert. Iwori ist das Feuer der Leidenschaft. Die Leidenschaft führt oft zu einem Konflikt. Positiv formuliert heißt dies, dass ein Konflikt zu einer Lösung und zu Wachstum führen kann. Negativ formuliert heißt es, dass dies zu mehr Konflikten und zum Untergang führen kann. Die Leidenschaft wird auch mit Bewegung bis hin zur Fortpflanzung in Verbindung gebracht.

Iwori steht am Anfang des Feuers, der Leidenschaft. Die Transformation ist das Ergebnis von Leidenschaft, weil es Mut benötigt, alte Verhaltensmuster zu durchbrechen. Die Transformation führt uns durch den Verlust unseres Ichs, wobei Dinge aufgezeigt werden, die von großer Bedeutung sind. Das Symbol des Feuers wird verwendet, weil das Feuer alle Dinge der Natur verändert. In seiner negativen Manifestation bedeutet “Iwori” sinnlose Konflikte aufgrund Widerstand gegenüber notwendiger Transformation

ODI

Odi steht für die Wiedergeburt im inneren Zyklus des Lebens.

Odi ist ein yorubisches Wort für das weibliche Fortpflanzungsorgan und für den Geburtsvorgang. Im Kosmos von Ifá ist die ganze Geburt vom ersten Moment der Schöpfung an auch eine Wiedergeburt.

In seiner positiven Konnotation ist Odi eine Erneuerung und eine Schöpfung, die auf Altem basiert, dieses Alte allerdings verjüngt und auf neue Beine stellt. Odi ist die Voraussetzung der Reinkarnation, der Verknüpfung des Geistigen mit dem Materiellen. In seiner negativen Manifestation ist Odi ein verzweifelter Versuch, sich an die Vergangenheit zu klammern und alte Muster zu wiederholen.

Odi als Wiedergeburt bezieht sich auf die völlige Erneuerung des Geistes, des Körpers und der Seele an wichtigen Punkten der spirituellen Evolution. Wiedergeburt geschieht aber auch täglich: Bei Projekten, Wahrnehmungen und im Bewusstsein, mit Menschen und in Beziehungen.

Ifá lehrt, dass ab dem Beginn der Schöpfung jede Geburt eine Wiedergeburt ist: das Licht wird als Sterne wiedergeboren, Sterne werden als Planeten wiedergeboren, das Wasser wird als Erde wiedergeboren und so weiter. Alles ist ein Prozess von Geburt und Wiedergeburt.

IROSUN

Irosun steht für die Realisierung von Potentialen und für die Reinkarnation. Irosun bezieht sich zudem auf die Familie und die Ahnenreihe.

Irosun ist ein yorubisches Wort für Monatsblutung. Es ist auch eine Anspielung auf die Tradition: Ifá lehrt, dass Reinkarnation (Atunwa) häufig innerhalb der eigenen Familie geschieht.

Irosun lehrt in seiner positiven Manifestation die wirksame Nutzung des genetischen Erbes und der Familie zur Ausschöpfung des vollen Potentials. Die negative Manifestation von Irosun entspricht dem Widerstand gegenüber den eigenen Ahnen und der Nicht-Ausschöpfung der Potentiale.

Irosun ist die latente Macht unseres höheren Schicksals, wobei unseren Erinnerungen und unserer Verbindung mit unseren Ahnen große Bedeutung zukommt. Ifá lehrt, dass unser höheres Schicksal in der Form des Geistes im unsichtbaren Reich existiert. Dieser unsterbliche Anteil unserer Seele, Iponri, ist das Bindeglied zwischen menschlichem Bewusstsein und kollektivem Bewusstsein unserer Ahnen.

OWONRIN

Owonrin ist die unerwartete Veränderung im Inneren des Menschen, der Kontrollverlust, der zu Transformation und Neubewertung des Egos führt.

Owonrin bezieht sich auf das Prinzip des Chaos im Universum. Die Physiker lehren, dass alle augenscheinlich geordneten Ereignisse chaotisch seien, wenn man sie aus der Nähe betrachtet. Physiker lehren auch, dass anscheinend zufällige Wirkungen Zeichen einer Ordnung aufweisen, wenn sie aus der Ferne betrachtet werden. Die Existenz des Chaos erzeugt Vielfalt im Universum. Es zwingt die Welt und das Innere des Menschen in die Bewegung und Veränderung. Es bereinigt und ermöglicht neue Perspektiven. Das Chaos in seiner negativen Manifestation ist destruktiv ohne Transformation und Wachstum. Das Chaos kann die Selbstwahrnehmung eines Menschen sowohl befreien als auch einschränken.

Der positive Aspekt von Owonrin ist die Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen, sie als Chance zu betrachten und die Dinge aus einer neuen Perspektive zu sehen. Der negative Aspekt von Owonrin ist eine unerwartete Unterbrechung, die ein fragiles Fundament zerstört und in Selbstzweifel und Orientierungslosigkeit führt.

OBARA

Obara steht für die innere Transformation und die Überwindung des Egos.

Obara bedeutet Stärke des Geistes. In seiner positiven Ausprägung beinhaltet diese Stärke Demut und eine Zurücknahme des Egos. In seiner negativen Ausprägung bedeutet Obara Egoismus, Selbstzentriertheit und Manipulation anderer Menschen.

Demut meint den empathischen Austausch mit der Umwelt, die Berücksichtigung der Ansprüche und Wünsche anderer. Der Egoismus sieht den Menschen als Maß der Dinge und lenkt von der geistigen Führung und Bestimmung ab. Da der Mensch niemals größer ist als die Naturkräfte, führt das Ego in die Zerstörung und Selbstzerstörung. Die Demut hingegen führt zu Anbindung, Evolution, Selbstbegegnung und -entfaltung. Dieses Prinzip ist die Grundlage für das Konzept des „guten Charakters“.

Obara ist die innere Transformation des Bewusstsein, des Ichs, die in die Demut führt. Ein krankhafter Egoismus führt häufig zu unkontrollierten Emotionen. Der Mittelpunkt des Egoismus ist die Selbstbelohnung. Bei Obara ist das Gleichgewicht zwischen dem Kopf und dem Herzen ein Akt des Willens und des Intellekts, was den Menschen in Richtung einer Verwandlung lenkt, in der er alte, wiederkehrende, ineffiziente Muster der Selbstverteidigung und des selbstzerstörerischen Verhaltens auflöst. Einige dieser Muster haben alte Wurzeln in der Familie, der Magie und in frühen Erfahrungen. In der Kultur der Yorubá erfolgt im Rahmen der „Heilung“ auch immer die Intervention der Gemeinschaft.

OKANRAN

Okanran eröffnet neue Möglichkeiten für Herzensangelegenheiten.

Okanran bedeutet, dass ‚es vom Herzen kommt‘. Ifá lehrt, dass spirituelles Wachstum als Ergebnis des Gleichgewichtes zwischen dem Kopf und dem Herzen gesehen werden muss. Dies wird auch als Orí tutu (Harmonie zwischen dem Denken und Emotion) bezeichnet.

Okanran folgt der Überwindung des Egoismus durch die Demut. Obara ist eine Haltung des Bewusstseins, die in Okanran in eine Aktion überführt wird – aus dem Herzen heraus. Okanran öffnet das Herz und öffnet neue Möglichkeiten der Aktion und Interaktion. Okanran in Ire öffnet Beziehungen, führt zu Projekten mit persönlicher Relevanz, verstärkt Bindungen und Beziehungen. In Ibi verschließt das Ego das Herz und die Handlungen werden entweder kalt und emotionslos, oder unkontrolliert emotional. Fehlende Empathie, Gefühlskälte, aber auch Wut und emotionale Ausbrüche sind Ausdruck einer Störung in Okanran. Okanran in seiner negativen Ausprägung führt in die Isolation und in den Machtmissbrauch.

OGUNDA

Ogunda steht für die konsequente Durchsetzung von Interessen, Ideen, Visionen.

Ogunda ist ein „Gesandter von Ogun“, dem Orixá des Krieges und des Metalls, der die Waffen, aber auch das Werkzeug für den Ackerbau schuf. Ogunda öffnet Wege, schafft Freiräume, setzt Rechte, Ideen, Projekte und Beziehungen durch. In seinem negativen Aspekt in Ibi steht Ogunda für sinnlose Zerstörung oder für Handlungsunfähigkeit.

Ogunda steht auch für den starken Willen, der für die Durchsetzung von Idealen und Wünschen erforderlich ist. Kompromisslosigkeit, Konsequenz und Zielorientierung sind Eigenschaften von Ogunda. Dieser Odu gilt für innere und äußere Themen. Der Mensch muss sich in seinem Umfeld durchsetzen und seine Eigenständigkeit erkämpfen. Die Herausforderung besteht darin, einen sinnvollen Kampf zu führen und keine Feldzüge aus Fanatismus, Egoismus, Rache. Die Motive sind der Maßstab für die Bewertung der Handlung in Ogunda.

OSA

Osa steht für die radikale Veränderung im äußeren Leben.

Osa ist eine Manifestation einer plötzlichen und unerwarteten Veränderung. Osa ist der Einfluss äußerer Faktoren, die radikale Veränderungen nach sich ziehen. Owonrin ist das innere Chaos, das innere Strukturen aufbricht. Osa ist das äußere Chaos, das äußere Strukturen aushebelt. Symbolisch gesehen steht Osa in Verbindung mit Unwettern, Orkanen, Vulkanen und zerstörerischen Kräften der Natur, welche alles auf ihrem Weg mitreißen. Als eine Kraft der Natur hat Osa eine stark reinigende Wirkung.

Osa ist also eine drastische Veränderung äußerer Rahmenbedingungen, die zu Freiheit, Reichtum, Begegnungen, neuen Projekten führen kann, ebenso wie in Gefangenschaft, Gefahr, Verlust, Armut oder Rückzug. Je nachdem, wie der Mensch diesen Veränderungen begegnet, entstehen Chancen oder entgehen Möglichkeiten. Der Mensch geht befreit und gestärkt aus dieser Phase hervor, oder aber er bleibt gefangen und geht mit ihr unter.

IKA

Ika steht für die innere Kraft und die Kraft des Wortes.

Ika ist die Unvergänglichkeit der Essenz, die der Vergänglichkeit des Erschaffenen in Osa folgt. Ika bedeutet ‘anziehen’ oder ‘versammeln’ im Sinne vom mobilisieren. Auf spirituelle Weise bezieht sich dieser Odu auf eine Steigerung der persönlichen Kraft (ase). Die persönliche Kraft äußert sich durch die Persönlichkeit, die Aura, auch durch die Verwendung der Kraft des Wortes (ofo ase).

Ika kann in seiner positiven Manifestation die Quelle der persönlichen Kraft sein, die als Schutz, Heilmittel, Transformation eingesetzt wird. Sie vermag aber auch materiellen Wohlstand zu erschaffen. Es ist das entscheidende Element im Prozess der Selbstbehauptung und der Stärkung der eigenen Position. Ikas negative Manifestation sind die Wahnvorstellung, der Klatsch, der innere Zusammenbruch, der Rückzug.

Ifá lehrt, dass Worte die Fähigkeit besitzen, die physische Wirklichkeit zu transformieren. In seiner negativen Äußerung ist das unangemessene Verhalten in Ika der unethische Gebrauch der Macht des Wortes in Verbindung mit Zauberei, Habsucht, Demagogie und Polemik. Im verschlossenen Zustand Ibi ist Ika auch ein Ausdruck von Verletzung und Schmerz.

OTURUPON

Oturupon steht für das Wachstum und die Gesundheit.

Oturupon ist der Sohn des Königs Oniwoya Iwoya. Er heißt, seine Hoden seien beschädigt gewesen und der Name bedeute „Sohn mit dem beschädigten Organ“.

Oturupon zeigt Wachstum oder Rückschritt, Gesundheit oder Krankheit an. Dies gilt im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinn. Oturupon ist der Ausbruch von Infektionskrankheiten. Krankheit ist ein Reinigungs- und Wandlungsprozess. Sie kann ein Anzeichen für eine ungesunde Beziehung zur Natur und zum unmittelbaren Umfeld sein. Die Quelle der Krankheit zu kennen, ist der erste Schritt, um eine Lösung zu definieren.

Oturupon verweist auf die harmonische Beziehung zum Umfeld und zum Körper: eine gesunde Lebensweise, gesunde Beziehungen, ein gesunder Beruf, gesunde Ziele. In Ibi als negativer Konnotation gilt entsprechend die Umkehrung. Es heißt, dass Oturupon ein Odu der Ausdauer ist.

Dieser Odu zeigt auch Themen der Kinder an.

OTURA

Otura steht für die innere Visionskraft.

Otura ist die Quelle der mystischen Vision, der inneren Schöpfung der persönlichen Realität in Resonanz mit der Bestimmung. Die mystische Vision bringt den „Kopf“ Ori (Bewusstsein) in Einklang mit der Quelle (Olodumaré). Otura ist die individuelle Schaffenskraft und Umsetzung der Bestimmung. Otura bringt die Vision der eigenen Essenz in eine Form, die in der äußeren Welt umgesetzt werden kann. Otura bringt die gesamte Kraft der Schöpfung nach außen und bedingt deswegen eine tiefe Verbindung des Menschen mit seiner geistigen Welt. Otura bringt die persönliche Bestimmung, die persönlichen Wünsche und die karmische Aufgabe in Einklang.

In seiner negativen Manifestation wird die Vision zur Illusion, zur Utopie, zur Selbsttäuschung, die nicht im Einklang mit der Bestimmung steht. Dann ist sie die Quelle für Gier, Fanatismus, Nationalismus, Rassismus und das Gefühl moralischer Überlegenheit. Sie wird vom Ego gesteuert und beruht nicht auf einer geistigen Anbindung an die Seele und die geistigen Ebene.

IRETE

Irete bedeutet Entschlossenheit und äußere Aktion.

Irete verkörpert die Ausrichtung und konsequente Durchsetzung der in Otura erlangten Vision im Äußeren. Irete setzt Visionen um und erschafft die Realität. Erst über Irete realisiert der Mensch seine Bestimmung. Es ist das materielle, manifestierte Abbild der abstrakten Vorstellung in Otura.

In Resonanz mit der Bestimmung und der geistigen Welt ist Irete die Freude an der physischen Erschaffung einer besseren Welt entsprechend einer starken inneren Vision. Der Odu ist dann ein Weg der Stärke, des klaren Kompasses, der Kompromisslosigkeit bei der Verfolgung wesentlicher Lebensziele. In Ibi, also der negativen Manifestation, führt Irete in Sturheit, Fanatismus, Starrheit. Irete manifestiert sich dann entweder über das Unvermögen, Aktionen umzusetzen oder in Form sinnloser Aktivitäten, die entweder hektisch und ziellos sind, oder aber dem falschen Ziel dienen und einer Illusion hinterherlaufen.

OSE

Ose steht für die Fülle und die geistige Anbindung.

Ose ist die Quelle der Fülle und der Fruchtbarkeit in der Welt. Symbolisch wird Ose mit frischem Wasser assoziiert. Historisch betrachtet, entwickelte sich die Kultur um Quellen frischen Wassers, an Flüssen, am Meer. Ifá lehrt, dass Fülle und Fruchtbarkeit über die Kraft des Wortes im Gebet entsteht (Aladura). Fülle und geistige Anbindung entsprechen sich.

Ose folgt Irete und steht für das Bewusstsein, dass die inneren Visionen nur im Einklang mit einer starken spirituellen Anbindung an die geistige Welt zur Offenbarung in Ofun gelangen können.

In seiner negativen Ausprägung ist Ose ein Hinweis auf Leere, fehlende geistige Anbindung, daraus folgend Gier, Geiz, Depression, Orientierungslosigkeit.

OFUN

Ofun ist das Wunder der Offenbarung.

Ofun bedeutet wörtlich “der Geist des Weißen’. Der Bezugspunkt ist das weiße Licht als Quelle des Materiellen. Alles, was wir in unserer physikalischen Welt sehen, entsteht und wächst durch das Licht.

Ofun ist die göttliche Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Ofun ist die Erfüllung des Lebensplanes, die Vollendung der Schöpfung. Hier vollendet der Mensch ein Werk, ein Leben, eine Beziehung in Resonanz mit seiner Bestimmung. Innere Welt und äußere Welt stimmen überein. Innere Visionen finden sich in der Realität wieder.

Im negativen Zustand ist Ofun das Zusammenbrechen und Scheitern von Utopien und Illusionen. Hier erkennt der Mensch, dass er den falschen Zielen und Göttern hinterhergelaufen ist.

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