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Der Ifismus

Was bedeutet Ifismus? Ifismus ist ein Kunstbegriff. Er umfasst definitorisch alle Gemeinsamkeiten der spirituellen afrikanischen Yorubá-Traditionen, die vor ca. 5000 Jahren ungefähr im Gebiet des heutigen Nigeria entstanden sind, und dort die Grundlage der arabischen, ägyptischen und afrikanischen Spiritualität bildeten. Später differenzierten sie sich aus und vermischten sich mit anderen Strömungen, doch auch heute noch sind Einflüsse innerhalb der europäischen und sogar asiatischen Kultur erkennbar (bspw. im I Ging). Über die Sklaverei verbreitete sich diese Kultur später nach Brasilien, Kuba, Jamaica und wurde dort teilweise weiter entwickelt. Der Ifismus umfasst vor allem die mündlich überlieferten Verse des Orakels von Ifá, die die Grundlage aller Deutungen sind. Der Ifismus versteht sich mehr inhaltlich als rituell, mehr abstrakt als konkret. Denn die konkreten Rituale verändern sich mit der Zeit und dem Raum. Die abstrakten Prinzipien jedoch sind weitgehend unveränderlich und bilden die Grundlage jeder rituellen Umsetzung in verschiedenen Kulturkreisen und Epochen.

Die kulturellen Ausprägungen des Ifismus sind streng genommen Religionen, die den gemeinsamen Kult gleicher spiritueller Strukturen und Entitäten aufweisen. Die wesentlichste Gemeinsamkeit dieser Weltreligionen mit Millionen von Anhängern ist das Prinzip von Ifá – die Kommunikation mit der geistigen Welt über das Orakel und die Antworten über die gesungenen Verse. Die aus dem Ifismus entstandenen Religionen in und außerhalb Afrikas, der Candomblé in Brasilien, die Santeria in Kuba, der Voodoo in Jamaica, erfüllen alle Voraussetzungen einer Weltreligion: Millionen Anhänger, eindeutige Glaubensbekenntnisse, stabile Gottesvorstellung, gemeinsame Werte und Rituale u.a. Dennoch bleiben sie im Westen und speziell in Deutschland weitgehend unbekannt und unverstanden.

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Die unter dem Ifismus zusammengefassten Traditionen sind nicht missionarisch, nicht dogmatisch, nicht geschlossen, sie unterscheiden sich in vielen Merkmalen vom gelernten Vorgehen und Selbstverständnis großer Religionen. Sie sollen im Kontext der vorliegenden Ausführungen keinem missionarischen, religiösen Zweck dienen. Im Gegenteil – der Ifismus bietet viel Raum für andersartiges Denken und Glauben. Die meisten Interessierten und Anhänger sind in anderen Religionen groß geworden und mehr oder weniger beheimatet. In Brasilien gibt es Millionen Anhänger des Candomblé – doch noch größer ist die Zahl derjenigen, die einer anderen Religionsgemeinschaft angehören und dennoch regelmäßig das Orakel befragen oder magische Rituale durchführen, um Klarheit und inneres Gleichgewicht zu erfahren.

Der Ifismus bietet allen Menschen je nach Situation und Bedürfnis mystische Erfahrung, Instrumente der Erkenntnis und der Heilung, inhaltliche Anregungen, im Einzelfall eine spirituelle Heimat. Die Tradition selbst sieht sich als offene Tradition, vor allem auch in den Kulturen, in die sie „zwangsexportiert“ wurde. Nicht selten, fast überwiegend, sind Teilnehmer der Rituale katholisch, spiritistisch, etc. ausgerichtet. Vor allem auch die Befrager des Orakels sind häufig spirituell gar nicht oder in völlig anderen Traditionen beheimatet. Und nichts spricht dagegen. Denn auch im deutschsprachigen Raum befragen viele Menschen Astrologen oder Kartenleger, gehen in Yoga-Kurse, verwenden die traditionelle chinesische Medizin und Akupunktur, und bedienen sich vielfältiger spiritueller Techniken aus „fremden“ Traditionen.

Was bezweckt der Ifismus? Die Tradition des Ifismus ist ausgerichtet auf den spirituellen Ausgleich des Menschen. Und zwar in Harmonie mit sich selbst, mit seiner Umwelt und damit mit seiner Bestimmung. Universell gesehen sieht der Ifismus den Menschen sowie alle anderen beseelten Wesen in einem Entwicklungsprozess von der Dunkelheit, der Abwesenheit von Licht, in das Licht.

Ein „guter Mensch“ zu werden ist in dieser Tradition die höchste Lebensaufgabe. In der wörtlichen Übersetzung bedeutet ein guter Mensch „auf die Welt kommen, um die Erde zu segnen“. Der Mensch wird also ein guter Mensch, indem er in tiefer Resonanz, Kommunikation sowie Austausch mit seiner Umwelt steht. Dafür muss er unabhängig sein von der äußeren Beeinflussung (davon, was die Außenwelt von ihm denkt) und frei sein in seiner inneren Ausrichtung. Frei von inneren Ängsten und Projektionen, frei von den selbst erschaffenen und genährten „Dämonen“ (Elenini).

Der Ifismus ist zuallererst eine Tradition, die den Menschen auf seinem Bestimmungsweg halten möchte, die ihm auf diesem Weg Kraft, Freiheit, Klarheit und Ausrichtung schenkt. Das Orakel von Ifá ist in diesem Zusammenhang das zentrale Instrument, die Wege und Kräfte des Menschen zu analysieren. Die sich aus dem Orakel möglicherweise ergebenden empfohlenen (magischen) Rituale dienen der Wiederherstellung der inneren und äußeren Balance des Menschen auf seinem Weg. Dies geschieht unter anderem über den Austausch von materiellen und geistigen Energien (Ablösung, Stärkung, Abschwächung) nach magischen Prinzipien.

Welche Möglichkeit bietet der Ifismus dem europäischen Menschen? Zunächst und ganz praktisch bietet die Tradition ein bewährtes, sehr altes Instrument der Erkenntnis an – das Orakel von Ifá. Im Gegensatz zu den bekannteren alchemistischen Orakeln Europas ist das Orakel von Ifá nicht nur ausgesprochen alt und bewährt, sondern auch sehr detailliert in seiner Analyse – und es liefert konkrete Lösungsansätze. Persönlich gefällt mir an diesem Divinationsprinzip, dass es spirituell angebunden ist und von den geistigen Entitäten selbst geführt wird. Sie sind es auch, die im Orakel antworten und sie sind es, die in den magischen Ritualen unterstützen und für den Energieausgleich sorgen. Es ist also ein sehr geschlossenes und angebundenes System.

Des Weiteren ist der Ifismus ein sehr ausgefeiltes Modell der Selbsterkenntnis. Auf dem Weg zu der individuellen Spiritualität und der Entfaltung innerhalb der persönlichen Bestimmung liefert die Tradition sehr viele Ansatzpunkte der Reflektion und Handlung.

Für Menschen, die mystische Erfahrungen schätzen und suchen, ist der Ifismus ein wunderbarer Einstieg. Wer die Tänze erlebt und erfahren hat, wer vielleicht die Gelegenheit bekommt, mit inkorporierten Entitäten zu sprechen, der wird diese Erfahrung sicher nicht vergessen und einen anderen Blick auf die geistige Welt bekommen.

Schließlich beinhaltet der Ifismus eine wunderbare Mythologie, –Erzählungen (wie die Legenden des Olymps), die mit oder ohne hermetische Kenntnisse der größeren Zusammenhänge und tieferen Deutungen einfach schön zu lesen sind.

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