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Die mythologische Entstehung des Merindilogun

Die Entstehung des Merindiloguns steht im Zusammenhang mit dem Gleichgewicht des männlichen und des weiblichen Prinzips im Orun. Auf der einen Seite versuchten die männlichen Orixás die Macht der weiblichen Orixás, der Yabás, einzudämmen. Und auf der anderen Seite versuchten die weiblichen Orixás, Zugang zu männlichen Domänen zu bekommen. Im Ergebnis dieser Auseinandersetzungen musste die Göttin der Toten und erste Frau des Gottvaters Oxalá, genannt Nanã, ihre Herrschaft über die Ahnen, die Eguns, mit Oxalá teilen. Die Göttin der Gewässer und Frau von Oxalá, Yemanjá, bekam von Oxalá wiederum die Herrschaft über die Oris, die Köpfe, der Menschen. Der Gott der Blätter und Pflanzen und Wissensträger aller Heilmittel, Ossaim, musste jedem Orixá ein Blatt abgeben, und so weiter.

Das Orakel war einst nur den Männern vorbehalten. Und der alleinige Hüter des Mysteriums der Divination war der Orixá Orunmilá. Die Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, Oxum, wollte an diesem Mysterium teilhaben und versuchte vergeblich, Orunmilá dieses Geheimnis zu entreißen. Sie suchte die Unterstützung von Exu. Der Orixá Exu ist der Trickster unter den Orixás, verantwortlich für den Austausch, das Gleichgewicht und die Kommunikation. Er versprach, Oxum das Geheimnis zu übergeben, wenn sie im Gegenzug zusicherte, dass ab sofort alle an die Orixás über das Orakel entrichteten Opfer über ihn laufen würden, damit er an allem einen Anteil hätte. Und so geschah es. Allerdings überlistete Exu beide, Orunmilá und Oxum. Ersteren, indem er ihm das Geheimnis entlockte, letztere, indem er ihr nur einen Teil des Wissens übertrug, in Form des vereinfachten Orakels des Merindiloguns, das mit den Cauris gespielt wird und nie mit den Ikins oder dem Opelé. Seitdem wird Exu bei allen Ritualen und Opfern berücksichtigt, und auch beim Spiel von Merindilogun ist er derjenige, der die Information zu Orunmilá trägt, die Antwort empfängt und sie dem Babalaô zurückbringt.

Ein zweiter mythologisch relevanter Itan erzählt die Geschichte, dass die Göttin der Gewässer sowie der Köpfe aller Menschen und geistige Mutter aller Orixás, Yemanjá, Omolu die Cauris schenkte. Dies war der Ausgleich dafür, dass er im Gegensatz zu allen anderen Orixás nichts bzw. zu wenig besaß. Yemanjá war auf Ausgleich bedacht und gab ihm die Muscheln, die sowohl als Zahlungsmittel wie vor allem auch beim Orakel und bei vielen Ritualen eingesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund werden beim Merindilogun – anders als beim alten Orakel von Ifá – üblicherweise vier Entitäten besonders hervorgehoben und einleitend begrüßt: Orunmilá als Hüter der Mysterien und aller Orakel, Exu als Herr der Kommunikation und Verantwortlicher für die Übertragung der Nachrichten, Oxum als Herrin des Merindilogun und Omolu als Herr der Cauris.

Die Technik des Orakels

Das Merindilogun, dem Jogo de Búzios, wird fast immer mit den Cauris gespielt. In dem Spiel antworten 16 mögliche Orixás auf 16 möglichen Wegen mit ihren jeweiligen Qualitäten. Sie geben Hinweis auf das Hauptthema des Befragers. Die Lage der Cauris im Feld detailliert die Antwort. Teilweise wird die Befragung durch Numerologie ergänzt. Stark vereinfacht bedeuten die 16 Orixás:

  1. Oxalá. Der Gottvater. Glaube, Gleichgewicht, Vertrauen, Führung, Vater.
  2. Yemanjá. Herrin der Gewässer und der Köpfe. Familie, Ordnung, Struktur, Mutter.
  3. Xangô. König der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit, Rechtsprechung, Fairness.
  4. Omolu. Herr der Krankheiten und der Cauris. Gegensätzlichkeit, Polarität, Gesundheit, Heilung.
  5. Exu. Orixá des Austausches und der Kommunikation. Bewegung, Öffnung, Kommunikation, Wege.
  6. Ibeji. Zwillinge. Reinheit, Freude, Anfang.
  7. Ogum. Herr des Krieges. Durchsetzung, Auseinandersetzung, Kraft, Mut, Weg.
  8. Oxóssi. Orixá der Jagd. Überfluss, Ernährung, Wissen, Suche, Reise und Rückkehr.
  9. Ossaim. Herr aller Blätter. Rückzug, Weisheit, Heilung.
  10. Oxumaré. Herr des Regenbogens. Wandlung, Dualität, Verbindung, männliches-weibliches, inneres-äußeres Prinzip.
  11. Iansã. Orixá der Stürme und der Blitze. Reinigung, Wandel, Spontaneität, Kurzfristigkeit.
  12. Logunedé. Jäger und Angler. Schönheit, Ausstrahlung, Narzissmus.
  13. Oxum. Orixá der Gefühle und des Orakels von Merindilogun. Liebe, Fruchtbarkeit, Schönheit, Eitelkeit, Luxus, Überfluss.
  14. Nanã. Orixá der Schöpfung des menschlichen Körpers und der Ahnen. Magie, Ahnen, Transformation.
  15. Euá. Der weiße Regenbogen. Versteck, Unsichtbares, Rückzug.
  16. Obá. Orixá der Wahrheit. Wahrheit, Wort, Klarheit, Kompromisslosigkeit.
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