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Die Sage von Ifá

In seinem Buch Ifá Divination Poetry erzählt Ejande Ambimbola seine Version der Entstehung des alten Orakels von Ifá: 

Im Glauben der Yorubá war Ifá, auch bekannt als Orunmilá, eine der vierhundert Gottheiten, die von Orún, dem Himmel, auf Ayé, die Erde, kamen. Olodumaré, der höchste Gott der Yorubá, betraute jede dieser Gottheiten mit einer besonderen Aufgabe, die sie auf der Erde erfüllen sollte. Ogum beispielsweise wurde alles zugeteilt, was mit Krieg und Jagd und dem Gebrauch von Stahl verbunden war. Oxalá wurde beauftragt, die Körper der Menschen aus Lehm nachzubilden, und Exú wurde der Hüter des Universums und der Hüter von Axé, der göttlichen Kraft, durch die Olodumaré das Universum schuf und seine Naturgesetze aufrecht erhält.

Ifá bekam die Aufgabe der Weissagung, wegen seines umfangreichen Wissens, das er als Begleiter Olodumarés erlangte, als dieser das Universum schuf. Daher kannte Ifá die Geheimnisse des Universums. Man nennt ihn deshalb auch Akerefinusogbon, den kleinen Weisen. Die Yorubá glauben, dass die bereits oben erwähnten 401 Gottheiten in der Stadt Ifé vom Himmel herabstiegen.

Zu dieser Zeit gab es keinerlei Leben auf der Erde. Die Götter waren also die ersten Erdbewohner und Ifé war der erste Ort, an dem Menschen lebten. Als die Götter auf der Erde ankamen, fanden sie den Planeten vollständig von Wasser bedeckt. Doch bevor sie Orún verließen, hatte Olodumaré ihnen einen Korb voll Sand, ein Huhn mit fünf Krallen und ein Chamäleon mit auf den Weg gegeben.

Bevor die Götter hinabstiegen, schickten sie das Huhn und einen Teil des Sandes nach unten, nach Ifé. Das Huhn verstreute den Sand und das Festland erschien. Danach lief das Chamäleon darüber, um zu prüfen, wie fest der Boden war. Dann erst stiegen die Götter auf die Erde hinab und errichteten ihre Lager in verschiedenen Teilen von Ifé. So wurden Huhn und Chamäleon zu den ersten Kreaturen auf der ursprünglichen Erde und die Götter waren die ersten Wesen, die auf festem Boden lebten. Nach der Ankunft der Götter entwickelten sich Ifés menschliche Bewohner auf zwei verschiedenen Wegen: Die Götter heirateten untereinander – es gab männliche und weibliche unter ihnen – und brachten eine Linie männlicher Nachkommen zur Welt, die später die göttlichen Herrscher der Yorubá wurden.

Dann schuf Olodumaré, mit Oxalás Hilfe, die Menschen im eigentlichen Sinne, über welche die Gottheiten und ihre Nachkommen herrschten. Unter den Nachkommen der Götter entwickelten sich die Söhne Oduduas zu den politisch bedeutsamsten, ihre Dynastie stellte schließlich die Mehrheit der Herrscher im äußerst mächtigen Yorubá-Reich.

Den Höhepunkt der Macht dieser göttlichen Herrscher bildete die Errichtung des Großreiches von Oyo. In Ifé zog Orunmilá an einen Ort namens Oke Igeti und lebte dort viele Jahre. Anfangs hatte er keine Kinder, doch später bekam er noch acht Söhne. Er ging dann nach Adó, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Daher der Ausspruch: Ado nile Ifá (Ado ist das Haus Ifás). Sobald er auf der Erde war, nutzte Orunmilá sein weltliches Wissen, um die menschliche Gesellschaft in geordneter Weise zu organisieren. Es lehrte seine Schüler auch die Geheimnisse der Weissagung. Doch wie auch die anderen Gottheiten, kehrte Orunmilá zum Himmel zurück, nachdem er seine Mission auf der Erde erfüllt hatte. Der Anlass für seine Rückkehr nach Orún war allerdings ein Streit zwischen ihm und seinem jüngsten Sohn. Die Einzelheiten dieser Auseinandersetzung werden in Iwori Meji beschrieben.

In einer Geschichte des Iwori Meji wird geschildert, wie Orunmilá eines Tages seine acht Söhne einlud, mit ihm ein großes Fest zu feiern. Als er ankam, warf sich jeder von ihnen zum Zeichen des Respekts und der Gehorsamkeit seinem Vater gegenüber zu Boden und begrüßte ihn mit den Worten: Aboru Boye Bosise (das Opfer soll angenommen werden und gesegnet sein). Als aber Olowo an die Reihe kam, blieb er stehen und sagte kein Wort. Da befahl Orunmilá seinem Sohn, ihm den Gruß zu entbieten, so, wie es seine Brüder vor ihm schon getan hatten. Doch Olowo weigerte sich und antwortete, auch er sei ein Herrscher, wie sein Vater, und es sei erniedrigend für ihn, sich vor irgendjemandem, wer auch immer es sei, zu verneigen. Als Orunmilá das hörte, erfüllte es ihn mit Schmerz und er beschloss, nach Orún zurückzugehen.

Sofort nachdem er die Erde verlassen hatte, stürzte sie in Chaos und Verwirrung. Die Zyklen von Fruchtbarkeit und Regeneration brachen zusammen, sowohl in der Natur als auch bei den Menschen. Die menschliche Gesellschaft stürzte in Anarchie und Chaos, alles wurde zerstört. Der Zustand der Unsicherheit und Verwirrung, der nach dem Weggang Orunmilás auf der Erde herrschte, wird in folgendem Gedicht beschrieben:

Die schwangeren Frauen konnten ihre Kinder nicht gebären;

Die unfruchtbaren Frauen blieben unfruchtbar.

Kleine Flüsse waren von gefallenen Blättern bedeckt.

Der Samen in den Hoden der Männer vertrocknete.

Die Frauen hatten keine Regelblutung mehr.

Die Yamswurzel bildete kleine Knollen, die nicht wuchsen;

Der Mais blieb klein und unreif, die Kolben wuchsen nicht.

Nur vereinzelt fielen Regentropfen,

Die Hühner versuchten sie zu schlucken;

Auf dem Boden waren scharfe Messer gepflanzt,

Die Zicklein versuchten sie zu fressen.

Als die Erde keinen Frieden mehr hatte, sollten die Söhne Orunmilás nach Orún gehen, um ihren Vater davon zu überzeugen, auf die Erde zurückzukehren. Alle acht Söhne gingen also nach Orún, wo sie ihren Vater am Fuße einer „hoch gewachsenen, verzweigten Palme mit sechzehn Kronen in der Form von Hütten“ fanden.

Sie versuchten ihren Vater zur Rückkehr zu bewegen, doch er weigerte sich. Stattdessen gab er jedem von ihnen sechzehn Palmnüsse und sprach:

Wenn ihr nach Hause kommt,

Wenn ihr Geld haben wollt,

Ist dies die Person, die befragt werden muss.

Wenn ihr nach Hause kommt,

Wenn ihr Ehefrauen wollt,

Ist dies die Person, die befragt werden muss.

Wenn ihr nach Hause kommt,

Wenn ihr Kinder haben wollt,

Ist dies die Person, die ihr befragen müsst.

Für jedes gute Ding, das ihr auf Erden wollt,

Ist dies die Person, die ihr befragen müsst.

Als die Söhne Orunmilás auf die Erde zurückkamen, begannen sie die sechzehn Palmnüsse als Instrumente der Weissagung zu gebrauchen, um die Wünsche der Götter zu erfahren. Orunmilá kehrte also in Form dieser sechzehn Palmnüsse vom heiligen Palmbaum auf die Erde zurück. Man nannte sie „Ikin“ und sie sind seit dieser Zeit das wichtigste Instrument des Ifá-Orakels.

Das System der Odus

Die Odus sind, neben den Orixás, die zweite Kategorie von Entitäten, die die karmafreie Ebene der geistigen Welt besetzen. Die Odus werden synonym als Propheten oder Erzengel bezeichnet. Sie stehen für definierte Energiestrukturen des Universums, für definierte Wege. In Abgrenzung zu den Qualitäten der Orixás sind die Strukturen der Odus unabhängig von dem Menschen und allem Materiellen. Sie existieren nicht IM Menschen, sondern sie beeinflussen ihn und sind die Grundlage dafür, dass sich die menschlichen Qualitäten entfalten und entwickeln können. Bildlich gesprochen sind die Odus die Autobahn, der Mensch ist das Auto. Und das Orakel ist die Navigation, die Positionen, Staus, Wegstrecken aufzeigt.

Es sind insgesamt 16 Odus, die die Energiestrukturen bestimmen. Sie werden als Strichcodes kodiert und gelten als das älteste duale Prinzip der Menschheit. Vermutlich bilden sie die Grundlage für das chinesische I Ging (dessen Hexagramme eine Verkürzung des Systems von Ifá darstellen). Die 16 Odus treten stets paarweise auf – entweder als Doppelung und Verstärkung (die Odu Mejis) oder als Kreuzung in der Interaktion (zwei unterschiedliche Odus). So entstehen die 256 Odus – 256 ist das rechnerische Ergebnis aller möglichen Interaktionen (16×16 Kombinationsmöglichkeiten). In der Literatur und in der Überlieferung werden die 16 Haupt-Odus (Verbindung mit sich selbst) auch Propheten genannt und die Kreuzungen untereinander als Jünger bezeichnet.

Die Odus sind Teil eines Zyklus und stehen archetypisch für definierte Themen innerhalb dieses Zyklus. Auf dem Weg in das Licht befindet sich jeder Mensch, jede Situation auf einem dieser 16 Wege. Und im Verhältnis von innerer und äußerer Welt, von Gegenwart und Zukunft steht er an Weggabelungen, also Kreuzungen dieser Odus (woraus sich der Wert von 256 Odus ergibt, entsprechend 16×16 Kombinationen).

Der Gesamtzyklus ist ein Abbild des Lebens selbst und der Entwicklung des Lebens ins Licht. Es ist ein Zyklus des zunehmenden Bewusstseins und Eins-Seins mit dem Geistigen. Es ist ein Zyklus an dessen Ende eine Übereinstimmung von innerer Qualität und äußerem Weg besteht, sozusagen der Punkt der bewussten Erleuchtung und Offenbarung der Bestimmung.

Das alte Orakel von Ifá offenbart ebendiese Kreuzungen und die Resonanzen sowie Dissonanzen des Menschen auf diesem Weg. Die Bedeutung der einzelnen Odus und des Zyklus kann vereinfacht im Bereich der Odus nachgelesen werden.

Das alte Orakel wird mit Ikins oder dem Opele gespielt. Neuerdings auch mit den Cauris. Traditionell erfolgt die Auflösung des Themas über stundenlages Rezitieren der heiligen Verse (Itans). Vereinfacht und abstrahiert gelingt dies über die metaphysische Deutung der Odus.

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